1,2 oder 3…
Was an das lustige Kinderquiz mit Michael Schanze erinnert, ist im wirtz’haus de facto eine Blindprobe von sommerlichenn Rotweinen. Blind vorgesetzt hat meine Frau mir:
Bardolino Classico DOC 2006 - Terre di Maria Pia (Gardasee)
‘Dedalo’ Salento Rosso IGT 2006 - Torre Guaceto (Apulien)
und den
‘Sea’ Kalterer See Classico 2007 (Fassprobe) - Andi Sölva (Südtirol)
No. 1:
Mittleres Purpur, Noten von Pflaumen und Kirschlikör; süße Früchte, Brombeere, feine rote Früchte, aber nicht zerkocht oder marmeladig. Im Mund feine Fruchtsüße, auch hier wieder rote Früchte; feine, frische Säure, etwas Alkohol; fein saftiger Abgang.
Deutlich fruchtfrischer als die beiden Anderen; wunderschön frische Säure, die den Wein saftig ins Finale trägt. Eindeutiger Sieger, toller Mittelklasse-Wein: ein Saufwein par excellence!!
No. 2:
mittleres Purpur; dezent rote Früchte; Fliederblüten; etwas Leim. Im Mund recht herb, fehlt i m Vergleich etwas die Fruchtsüße. Wirkt etwas gezehrt, recht bitterer Abgang, nicht ganz so lang wie No.1, aber deutlich mehr Fruchtsüße als No.3. Mit Belüftung Noten von Feigen, wird nun viel charmanter und trinkiger. Verliert fast vollständig die Bitternote. Deutlich charmanter und trinkiger als No. 3. Erinnert mich mit den Noten von getrockneten Feigen und den dezenten Reifetönen extrem an das Salento…
No. 3:
mittleres Purpur, etwas dropsig und primärfruchtig. Blütennoten, etwas Kalk und Mokka; wirkt etwas alkoholisch. Im Mund recht dicht, aber deutlich bitteres Tannin. Wein wirkt unrund. Sehr stoffig, aber es fehlt die Extraktsüße um die Bitterstoffe zu puffern. Belegt in der Verfassung ganz klar den letzten Platz!
Soso. Interessanterweise ist die obige (zufällige) Reihenfolge der Weine auch meine klare Hitliste. No. 1 war toll - und ich würde garantiert den Flaschenboden nach dem letzten Tröpfchen ablecken. Von der Fruchtfrische müsste es die Fassprobe des 2007er sein. Andererseits sprechen die dropsigen Noten von No. 3 eher für die Fassprobe…
No. 2 hat mich nicht direkt begeistert - mit Luft kamen aber dann die feinfruchtigen Noten getrockneter Früchte. Das muss eigentlich das Salento sein!
No. 3 war in der jetzigen Form erschreckend. Ich hoffe mal, dass dies die Fassprobe ist - und der Wein sich bis Oktober noch stabilisiert. Andererseits: die Bitterstoffe waren sehr dominant. Möglicherweise hat aber auch die Fassprobe den Versand per Kurier nicht unbeschadet überstanden. Aber: wer weiss denn überhaupt, ob No. 3 der ‘Sea’ ist???
Richtig! Die Auflösung kennt nur meine Frau - und die kommt erst später wieder. Seien wir also geduldig…
August 14th, 2008 at 23:55
Hallo Herr Wirtz,
ich finde ihre Verkostungen und die Gegenüberstellung ähnlicher Weine für eine sehr tolle und überaus interesssante Geschichte. Da sie mich nun als Weinbauer und Produzenten des Sea`s auch direkt angesprochen haben möchte ich nun kurz dazu Stellung nehmen.
Die Verkostungsnotizen kann ich nachvollziehen, sicherlich ist dieser Kalterersee in der momentanen Phase schwierig zu trinken und gewöhnungsbedürftig. Doch gerade mit diesem Wein habe ich keinen “roten Säufer” oder Sommerwein produzieren wollen, sondern einen Wein den man, nach entsprechender Flaschenreife, zum Essen serviern kann und der nach einigen Jahre immer noch Trinkgenuss bietet. Deshalb steht er,so meine ich, im Vergleich mit Sommerweinen etwas isoliert und vielleicht auch mißverstanden da. Gerade aber diese verschiedenen Ansichten Wein zu trinken bieten uns immer wieder, wie man hier auch sieht, interessante Diskussionsgrundlagen.
Mit freundlichen Grüßen aus Kaltern
Andi Sölva
mißverstanden
August 14th, 2008 at 23:59
……. ups, das mißverstanden unter dem Namen gehört logischerweise nicht dazu! hat sich irgendwie eingeschlichen!! Bin leider kein Pianist auf der Tastatur!!