Michael Andres (Pfalz)
Der Jahrgang 2008 beweist einmal mehr, dass Michael Andres sein Handwerk versteht und nicht umsonst im Weinberg Stunde-um-Stunde rackert. Wurde häufig die Vermutung geäussert, die 2008er in Deutschland würden uns mit einer spitzen Säure quälen, so kann ich bei Andres nur fesstellen: noch nie war die Säure so fein, so saftig eingebaut wie in diesem Jahr. Zwar waren die Mostgewichte allerorten sehr gering, aber auch hier können wir Alle (von Winzern über Journalisten bis zum Endkunden) wieder hinzu lernen: Mostgewicht (=Zucker = Alkohol) ist nicht ‘Alles’ im Weinbau. Gerade Rieslinge & Burgundersorten konnten eine ganz feine Aromatik entwickeln, die deutlich mehr bietet als das übliche ‘Ananas-Pfirsisch-Mango’-Schema: Kräuter- und Teenoten, keine ‘lauten’ Aromen, dafür eine große Bandbreite an feinen Aromen!
Und die Winzer, die nicht in Panik voreilig entsäuert haben wurden mit einer sehr saftigen Säure belohnt, die weit davon entfernt ist ’spitz’, ‘grün’ oder ‘zitronig’ zu sein.
Sicher ist 2008 kein Jahr der großen Auslesen oder Spätlesen, aber hier hegt Michael Andres ‘eh keine Ambitionen. 2008 ist ein Jahr der kleinen Spätlesen, der fein strukturierten Weine. Nicht in jeder Region, nicht bei jedem Winzer. Bei Michael Andres schon.
Die Verkostungsnotizen:
Deidesheimer Herrgottsacker Riesling Kabinett trocken 2008 (€ 7,50)
Noten von Birne & Apfel; dezenter Pfirsisch; feine Struktur, vielschichtige Aromen, rund und geschmeidig. Anklänge von Kamilleblüte und grünem Tee, etwas Litschi. Feine Säure, tolle Frucht; schön, zupackender Riesling. Toll, macht großen Spaß!
Ruppertsberger Reiterpfad Riesling Kabinett trocken 2008 (€ 7,50)
noch verschlossen, etwas verhaltene Noten, die Frucht ist noch sehr versteckt, würzig und kräutrig. Wirkt noch sehr unruhig, die salzige Mineralität sorgt für ein Bizzeln auf der Zunge. Gute Struktur, schöner Extrakt, mit Luft feine Zitrusfrucht. Die letzten Jahrgänge haben es bereits gezeigt: der ‘Reiterpfad’ ist der schlafende Riese unter den Andres-Rieslingen.
Deidesheimer Mäushöhle Riesling Kabinett trocken 2008 (€ 7,50)
Pfirsisch, Ananas; versteckte Frucht. Schöner Extrakt. Mineralisch, sehr stoffig, noch unrund und verschlossen. Zupackend, herzhaft, so stoffig habe ich die ‘Mäushöhle’ bisher noch nicht erlebt! (Mai 2009)
Wir vermuten hier einen grandiosen Jahrgang, der neben Frucht auch sehr viel Mineralität aufweisen wird. Wir haben Michael Andres daher gebeten diesen Wein für uns exklusiv in elegante 1,5 l Magnum Schlegelflaschen füllen zu lassen. Diese Magnum-Flaschen sind zum Preis von € 18,00 erhältlich!
Königsbacher Jesuitengarten Riesling Kabinett feinherb 2007 (€ 7,50)
Neu im Sortiment ist ein restsüß ausgebauter Riesling mit 18g Restsüße. Bemerkbar macht sich der Fruchtzucker in der Aromatik nach vollreifem Pfirsisch und Aprikosen. Aufgrund der soliden Säure ist die Süße im Mund kaum schmeckbar. Die Restsüße gibt massig Schmelz im Mund. Nahezu perfekte Balance zwisschen Süße, Säure und Frucht. Fast schon zu schade um ihn an heissen Abenden auf der Terrasse zu saufen!
(Anm. die Betonung liegt auf ‘fast’…)
Weisser Burgunder Kabinett trocken 2008 (€ 7,25)
Feine Birne, Zitrus, expressive Frucht; im Mund viel Frucht, feine Zitrusnoten auf frischer Säure. Bleibt schön auf feiner Säure. Trinkig hoch zehn!
Chardonnay-Auxerrois Kabinett trocken 2007 (€ 7,50)
Grüner Apfel, etwas Rhabarber, leichter Nusston; Birne. Im Mund präsente, saftige Säure. Macht sich im Mund nicht so klotzig breit wie manch ein Chardonnay, verfügt eher über eine wunderschöne Länge. Auch dieser Wein wird seine wahre Größe wohl erst ab Spätsommer zeigen.
Blanc de Noirs Kabinett trocken 2008 (€ 7,50)
hell gekeltert aus 100% Spätburgunder.
Noten Himbeere und roter Johannisbeere. Würzig, rauchige Frucht, kräftig, toller Extrakt. Fast schon cremige Textur. Kann ein deftiges Essen als Begleiter vertragen!
Muskateller Kabinett trocken 2007 (€ 8,50)
Erst der 2. produzierte Jahrgang - und wir verneigen uns dreimal ehrfurchtsvoll vor Michael Andres.
Erstens: er ist einer der ganz wenigen Winzer, der aus diesen Trauben (gelber & goldener Muskateller) einen trockenen Wein produziert.
Zweitens: er ist so verrückt mit diesen heiklen, zur rasanten Fäulnis neigenden Trauben einen Pakt einzugehen.
Drittens: belohnt er seine schweisstreibende Arbeit - und natürlich uns (!!!) mit einem Wein wie aus einem Märchenbuch:
feiner, süßlicher Zirtusduft, vollreife Grapefruit; viel gute Fructsüße, ewig lange Frucht, ewig animierend. Sehr saubere Muskateller Frucht ohne jegliche Anzeichen von Muff oder Fehltönen. Genial als Aperitif. Zu Speisen eher schwierig - die geraten garantiert zur Nebensache…
Leider bereits genussvoll ausgetrunken!
Sauvignon Spätlese trocken 2007 (€ 8,90)
Wie schrieb ich anlässlich des Jahrgangs 2006:
Der Wein hinterlässt mich ehrlich gesagt etwas ratlos:
Dieser Sauvignon ist eher verhalten in der Aromatik. Es springt einen keine Stachelbeere an, nein, da ist auch kein grüner Tomatenstengel und erst Recht keine Katzenpipi. Der Wein ist eher unheimlich elegant, weich und rund. Von feiner Struktur, mit tragender Säure. Erst nach Minuten merkt man am Gaumen die typische Sauvignon-blanc Aromatik.
Michael Andres hingegen war mit dem Ergebnis nicht ganz so zufrieden. (Anm. die Kunden schon - der Wein war ultraschnell vergriffen..)
Der 2007er präsentiert sich nun komplett anders: feiner Duft nach Stachelbeere, etwas Tomatenblätter. Sehr fein herausgearbeitete Sauvignon Blanc Aromatik. Nicht ganz so dicht & cremig wie der 2006er, dafür viel aromatischer, sortentypischer.
Spätburgunder trocken 2007 (€ 12,50)
Ab dem Jahrgang 2007 verwendet Michael Andres auschliesslich Trauben aus der Einzellage ‘Ruppertsberger Reiterpfad’. Es handelt sich hier um kleinbeerige, französische Pinot Noir Klone. Ausgebaut wird der Wein in Barriques.
Mittleres Rot. Dichtes Zwetschgenaroma; Mokka, etwas Zartbitterschokolade; kräftige, warme Nase; Rosenblüte; leicht rauchig-würzige Nase. Klar & fein; im Mund zartes Tannin, fein integriertes Holz. Schöne Wärme, sehr mineralisch, salzige Mineralität, gepuffert von Frucht & Saft. Wirkt noch recht jung, Mineralität greift zu; Tannin sehr elegant gewoben. Steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Bleibt lange im Mund auf Kirsch-Brombeer-Frucht.