Michael Andres (Pfalz)
Auch mit dem Jahrgang 2009 fährt Michael Andres konsequent in seiner Stilistik weiter. Wieder sind seine Weine ungeachtet jeden Mostgewichtes lediglich als QbA-Weine mit Sorten und/oder Lagennamen etikettiert. Da die Weine von der Stilistik her keine ‘Kabinette’ sind (hier sind sie definitv höher anzusiedeln), aber auch keine wuchtige, kompakte Spätlesen-Stilistik verkörpern sollen, ist diese ‘Einstufung’ eigentlich sehr schlüssig. Trinkige, fruchtige Weine mit Säure & Herz, die aber nicht gleich ein kulinarisches Äquivalent fordern, so sollen sie sein, die Andres Weine. Und so sind auch!
Die Verkostungsnotizen:
(Hinweis: die Weine wurden Mitte März 2010 auf dem Weingut verkostet und waren z.T. noch im sogenannten ‘Loch’ nach der Füllung. Dennoch waren die Weine für mich bereits so aussagekräftig und vielversprechend, dass ich meine Notizen bereits als seriöse Tendenz bezeichnen möchte)
Deidesheimer Herrgottsacker Riesling QbA 2009 (€ 7,50)
Noch etwas verhaltene, reduktive Nase. Etwas Tabak & Haselnuss. Im Mund saftig, grüner Apfel, dann kommt Pfirsisch. Säure packt zu. Wirkt noch sehr verschlossen, wird aber mit Luft immer saftiger & weicher. (VKN vom 16/03/10; interessant: der Herrgottssacker ist sonst immer der Präsenteste der 3 Lagen-Riesling. In diesem Jahr ist er der Verschlosenste!)
noch in geringer Menge verfügbar:
Deidesheimer Herrgottsacker Riesling QbA 2008 (€ 7,50)
Noten von Birne & Apfel; dezenter Pfirsich; feine Struktur, vielschichtige Aromen, rund und geschmeidig. Anklänge von Kamilleblüte und grünem Tee, etwas Litschi. Feine Säure, tolle Frucht; schön, zupackender Riesling. Toll, macht großen Spaß!
Ruppertsberger Reiterpfad Riesling QbA 2009 (€ 7,50)
Bukett noch etwas verschlossen, Ankänge von gelber Frucht (Pfirsich, Ananas). Im Mund saftig, gute Bitterstoffe. Mineralisch-salzige Textur. Wie immer zupackender Schmelz des Reiterpfades! (VKN 16/03/10)
noch in geringer Menge verfügbar:
Ruppertsberger Reiterpfad Riesling QbA 2008 (€ 7,50)
noch verschlossen, etwas verhaltene Noten, die Frucht ist noch sehr versteckt, würzig und kräutrig. Wirkt noch sehr unruhig, die salzige Mineralität sorgt für ein Bizzeln auf der Zunge. Gute Struktur, schöner Extrakt, mit Luft feine Zitrusfrucht. Die letzten Jahrgänge haben es bereits gezeigt: der ‘Reiterpfad’ ist der schlafende Riese unter den Andres-Rieslingen.
Deidesheimer Mäushöhle Riesling QbA 2009 (€ 7,50)
Am Tag der Verkostung der Fruchtigste unter den 3 trockenen Lagen-Rieslingen. Viel Saft auf gelber Frucht, tolle Säure, fast schon vibrierende Mineralität! Die Wandlung zu einem mineralischen Riesling (s. Vorjahresdegu) setzt sich konsequent fort! Noten von Basalt und Feuerstein drängen die sonst so opulente Frucht etwas zur Seite. Es präsentiert sich mir ein toller, saftiger Riesling mit Extrakt & Rasse. Die Mineralität passt geradezu ideal zur Frucht. (VKN 16/03/10)
noch verfügbar:
Deidesheimer Mäushöhle Riesling Kabinett trocken 2008 (€ 7,50)
Pfirsich, Ananas; versteckte Frucht. Schöner Extrakt. Mineralisch, sehr stoffig, noch unrund und verschlossen. Zupackend, herzhaft, so stoffig habe ich die ‘Mäushöhle’ bisher noch nicht erlebt! (Mai 2009)
Wir vermuten hier einen grandiosen Jahrgang, der neben Frucht auch sehr viel Mineralität aufweisen wird. Wir haben Michael Andres daher gebeten diesen Wein für uns exklusiv in elegante 1,5 l Magnum Schlegelflaschen füllen zu lassen. Diese Magnum-Flaschen sind zum Preis von € 18,00 erhältlich!
Königsbacher Jesuitengarten Riesling QbA feinherb 2009 (€ 7,90)
2008 wurde dieser restsüße Riesling nicht produziert. Der aktuelle 2009er entschädigt das lange Warten! Feine Nase nach Flieder, Blumenwiese, etwas Heu. Saftige Melone & Ananas; tolle Säure, die spielerisch mit den 14g Restzucker umgeht. Extrem harmonischer Wein, der fast schon in die Bukettsorte tendiert. Für mich: ein geiler Wein! (VKN 16/03/10)
Weisser Burgunder Kabinett trocken 2008 (€ 7,25)
Feine Birne, Zitrus, expressive Frucht; im Mund viel Frucht, feine Zitrusnoten auf frischer Säure. Bleibt schön auf feiner Säure. Trinkig hoch zehn!
Grauer Burgunder QbA 2009 (€ 7,50)
Etwas versteckter Apfel, Quitte, etwas Nuss. Im Mund feiner Bitterstoffe, zarter Creme. Salzige Mineralität, das oft ruppige Grauburgunder-Tannin brestens gezähmt. Sehrt schöner, eleganter und stimmiger Wein. Werde ich noch zum Grauburgunder-Fan? (VKN 16/03/10)
Chardonnay-Auxerrois QbA 2009 (€ 7,50)
Noch verhaltene Nase: etwas Flieder, blumige Chardonnay-Noten. Chardonnay macht sich schon bemerkbar, ohne jedoch ‘laut’ zu sein. Leichte Butter, etwas Vanille & Hefe (geringer Prozentsatz im Barrique vergoren). Gute Bitterstoffe. Säure puffert gut den Extrakt. Wird mit der Zeit noch in der Frucht zulegen. Der kann schon ein ordentliches Essen vertragen! (VKN 16/03/10)
Blanc de Noirs Kabinett trocken 2009 (€ 7,50) )
hell gekeltert aus 100% Spätburgunder.
In der Nase zarter Himbeer-Duft; im Mund feinsaftig & elegant. Macht sich mit saftigster Himbeerfrucht am Gaumen breit, bleibt dort für eine halbe Ewigkeit mit dieser Frucht. Schöne Gerbstoffe des Spätburgunders. Sehr schön auf feiner Mineralität balanciert ! (VKN 16/03/10)
Muskateller Kabinett trocken 2009 (€ 8,50)
Michael Andres ist einer der ganz wenigen Winzer, der aus gelben & goldenen Muskatellertrauben einen trockenen Wein produziert.
Man kann ihm nicht genug danken, dass er so positiv verrückt ist, mit diesen heiklen, zur rasanten Fäulnis neigenden Trauben einen Pakt einzugehen. 2008 hat leider der Jahrgangsverlauf gesiegt - es gab keinen Muskateller. 2009 hingegen heisst der Gewinner einmal mehr Michael Andres - und die heimlichen Gewinner sind wir Weinliebhaber!
Feiner Duft nach einer verwelkenden (nicht ‘verwelkten’!) englischen Rose. Etwas rote Grapefruit. Im Mund perfektes Spiel zwischen Säure und saftiger Frucht. Säure macht den Mund extrem sauber, so dass die opulente Frucht niemals parfürmiert wirkt. Blütenduft und Frucht werden durch Fruchtextrakt undd Säure sanft & lange getragen. Originell & toll! (VKN 16/03/10)
Sauvignon QbA 2009 (€ 8,90)
Michael Andres hat seinen Sauvignon blanc einem fein-tuning unterzogen: Nicht mehr die Aromatik soll im Vordergrund stehen (wie wir wissen neigt Sauvignon Blanc häufig zu extremer Stachelbeere, zu Tomatenstengeln oder gar zu Katzenpippi…). Nein, diese Wein soll die Rolle eines perfekten Essensbegleiters ausfüllen. Der neue Jahrgang wurde zu ca. 7% im Barrique vergoren. Heraus kommt nun ein Sauvignon Blanc mit feiner Brotnote, etwas Apfel, im Mund zarter Schmelz. Mit Luft ganz dezente Stachelbeere. Sehr cremig, weich und zart, dennoch von ausgewachsener Struktur. Experiment geglückt! (VKN 16/03/10)
Spätburgunder trocken 2007 (€ 12,50)
Ab dem Jahrgang 2007 verwendet Michael Andres auschliesslich Trauben aus der Einzellage ‘Ruppertsberger Reiterpfad’. Es handelt sich hier um kleinbeerige, französische Pinot Noir Klone. Ausgebaut wird der Wein in Barriques.
Mittleres Rot. Dichtes Zwetschgenaroma; Mokka, etwas Zartbitterschokolade; kräftige, warme Nase; Rosenblüte; leicht rauchig-würzige Nase. Klar & fein; im Mund zartes Tannin, fein integriertes Holz. Schöne Wärme, sehr mineralisch, salzige Mineralität, gepuffert von Frucht & Saft. Wirkt noch recht jung, Mineralität greift zu; Tannin sehr elegant gewoben. Steht erst am Anfang seiner Entwicklung. Bleibt lange im Mund auf Kirsch-Brombeer-Frucht.
VKN vom 16/03/10:
Der 2007er Spätburgunder aus dem Reiterpfad bricht radikal und konsequent mit seinen Vorgängern aus dem Niederkirchener Weinberg. Waren diese Pracht-Exemplare des süffigen Spätburgunders, ist der Spätburgunder aus dem Reiterpfad ein mineralisches Kraftpaket jenseits des easy-drinking. Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass wir es hier mit einem großen Pfälzer Rotwein zu tun haben, der sicherlich auch den ‘großen’ Kollegen aus der Südpfalz das Wasser reichen kann. Immer noch ist dieser Wein verschlossen, mit Luft kommen leichte Ruß- und Teernoten, hinzu frische Erdbeere. Im Mund stoffig, vielleicht sogar noch kantig. Wird mit Luft immer offener. Offenbart sich vom Extrakt am Gaumen fast schon wie ein Burgunder. Die mineralischen Töne aus dem Reiterberg geben dem Wein zusätzlich Stoff und Extrakt. Das Holz integriert sich immer besser. Die Noten des Barriques (Mokka, Schoko) aus der Verkostung im letzten Jahr weicher immer mehr zugunsten von burgundischen Reifenoten. Mein Tipp: 18 Flaschen kaufen, weglegen, und in 10 Jahren über den Preis von € 12,50 schallend lachen! (VKN 16/03/10)