Markus Berres (Mosel)
Schon seit Längerem liebäugele ich mit Weinen von der Mosel. Keine andere Region schafft es den Riesling so unverwechselbar mit Mineralität zu ‘impfen’ wie es die Mosel mit ihrem Schiefergestein vermag.
Persönlich bin ich ein Freund der modernen Weinbereitung. Von Experimenten mit Spontangärung oder der Vergärung in vergammelten Fuderfässern halte ich wenig: die Fehlerquote ist mir einfach zu hoch. Und nicht jeder Fehlton sollte unweigerlich als ‘Terroir’ hoch gejubelt werden…
Anlässlich der ProWein hat mich Markus Berres vom Weingut C.H. Berres aus Ürzig ‘überfallen’ - und dann vor wenigen Wochen freundlich daran erinnert, dass ich doch von seinen Weinen begeistert gewesen sei…
Nun habe ich einige Weine in Ürzig nachverkostet - und die Begeisterung lässt nicht nach!
Insbesondere die Kabinette - in meinen Augen glatte Spätlesen - spiegeln das Mosel-Terroir blitzsauber und glasklar wieder. Die trockene Auslese aus dem Ürziger Goldwingert hingegen beansprucht den Kenner vehement: ein massiver, strukturierter, korpulenter Riesling, der sich langsam öffnet und ständig neue Geheimnisse preisgibt.
Das Weingut C.H. Berres ist aus dem Weingut Peter Nicolay hervorgegangen und wird seit 2004 von dem jungen Weinbauingenieur Markus Berres geleitet. Er hat vom ersten Tag an das komplette Sortiment konsequent auf den Stelvin-Schraubverschluss umgestellt - vom QbA bis zur Beerenauslese!
Das Weingut verfügt heute über ca. 3 Hektar Weinberge in Ürzig und Erden. Der 0,3 Hektar kleine ‘Goldwingert’ befindet sich sogar in Alleinbesitz der Weingüter C.H. Berres und Dr. Pauly-Bergweiler und gilt aufgrund seiner exponierten Lage (auf Moselniveau, umrahmt von Felsmassiven) als ‘Prachtwingert’.
In der Zeitrechnung ‘vor der Finanzmarktkrise’ exportierte das Weingut knapp dreiviertel seiner Produktion in die Staaten: kein Wunder bei Punkten bis zu 97/100 im WineSpectator!
Die Zeitechnung ‘nach der Finanzmarktkrise’ bedeutet, dass heimische Winzer, Händler und Konsumenten wieder näher zusammenrücken. In puncto Mosel-Riesling behaupte ich daher kühn: es lebe die Finanzmarktkrise!
Die Weine:
‘Devon’ Riesling QbA 2007 € 7,90/ 750ml
Faszinierend klare Riesling-Frucht: frische Ananas, feinherber Pfirsisch. Ca. 10 g Restzucker puffern wunderbar die Säure. Feingliedrig, sehr klar und präzise. Animierender, moderner Mosel-Riesling!
‘Grauschiefer’ Riesling Kabinett trocken € 8,50/ 750ml
Steinige, verwitterte Tonschieferböden verleihen dieser Spätlese diesem Kabinett die unverwechselbare salzige Mineralität. Im Mund dicht und anspruchsvoll. Zupackender, mineralischer Riesling mit feinen Zitrusnoten. Trockene Mosel as its best!
Ürziger Würzgarten Riesling Kabinett € 8,50/ 750ml
Bei all’ meiner Liebe zu trockenen Rieslingen: ein restsüß ausgebauter Riesling von der Mosel ist natürlich ein MUSS. Opulente Aromatik gelber Früchte, blitzsaubere Säure, die mit den 50g Restzucker Tango tanzt! Sehr ausgewogen, ohne fett oder süß zu sein.
Ürziger Goldwingert Riesling Auslese trocken (€ 14,70/ 750ml)
Ein Wein, der fordert: zunächst verhalten, dann von Minute zu Minute immer mehr Facetten dieser exponierten Lage preisgebend. Gelbe Früchte, rauchige Mineralität, Kräuter, Pfeffer. Extrem dichter Wein, der ewig an den Schleimhäuten haftet. Vorsicht: garantiert kein easy-drinking Terrassenwein!
Erdener Treppchen Riesling Auslese 2007 (€ 12,70/ 375ml)
Eine edelsüße Auslese mit einem Korb voll getrockneter gelber Früchte, wunderbaren Karamell- und Honigtönen, die von schöner Schiefermineralität und feiner Säure flankiert werden.