Apulien

Das Salento in der Provinz Lecce:

Castel di Salve - Depressa di Tricase (Lecce)

Die beiden Winzer Francesco Marra und Francesco Winspeare machen kein riesiges Tamm-Tamm aus ihrer Herkunft: beide entstammen einem der ältesten Adelsgeschlechter Apuliens. De facto ist Francesco Winspeare ein leibhaftiger Baron aus dem Fürstenhaus Lichtenstein…
Hoch gebildet, aber zugleich von sympathischer Bescheidenheit widmen sie sich dem noch ‘jungen’ Projekt Weinbau. Seit Ende der 80er Jahre wurde systematisch in Kellerei und Weinberge investiert. Aus heute knapp 40 Hektar werden sehr fruchtfrische, moderne Weine bereitet. Die beiden Namensvetter zeigen in bewunderswerter Weise, dass bspw. die Leitsorte des Salento, der Negroamaro, mitnichten breit, marmeladig und zerkocht sein muss.

Die Weine:

Santi Medici Rosso del Salento IGT 2006 (€ 6,80/ 750ml)
Reinsortig aus Negroamaro, im Edelstahltank vinifiziert. Feine Würze, dabei keinerlei Spur der gefürchteten Bitterkeit der Negromaro (’schwarze Bittere’).

‘Armecolo’ Salento Rosso IGT 2006 (€ 8,20/ 750ml)
Hier werden 80% Negroamaro mit 20% Malvasia Nera, einer weiteren traditionellen Rebsorte des Salento ‘geblended’. Man glaubt kaum, dass dieser Wein ebenfalls nur dem Stahltank entspringt, paaren sich doch hier viel würziges Tannin mit intensiven Gewürz- und Fruchtnoten.

‘Volo di Alessandro’ Sangiovese di Puglia IGT 2006 (€ 8,50/ 750ml)
Reinsortiger Sangiovese, im Stahltank vinifiziert. Hier im warmen Apulien hat der Sangiovese nicht das geringste Problem seine volle Reife zu erlangen. Somit ist auch nichts von der gefürchten Säure spürbar, die so manchen Chianti unnahbar macht.
Feine rote Frucht, weiches Tannin, dennoch von guter Würze. Eher ein eleganter, geradlinieger Vertreter.

‘Priante’ Rosso Salento IGT 2004 (€ 10,50/ 750ml)
Vom Aschenputtel zur Prinzessin: manch einer schüttelte den Kopf bei der ersten Präsentation des 2003er im Frühjahr 2007. Viel sprödes Tannin liessen einen ‘Neue Welt’ Wein vermuten. Nur 6 Monate später wurde uns der Wein förmlich aus den Händen gerissen. Das Holz hat sich wunderbar eingebunden, ein Wein von Kraft, Struktur und doch trinkiger Eleganz.
Je zur Hälfte aus Montepulciano und Negroamaro vinifiziert und für knapp 12 Monate in Barriques (Mehrfachbelegung) gereift.

Aleatico Passito Salento Rosso IGT 2004 (€ 16,50/ 375ml)
Wieder einer dieser wunderbaren ‚Vino da Meditazione’! Durch Antrocknen der Aleatico-Trauben erhöht sich die Zuckergraduation. Tolles Aroma nach Feigen und Backpflaumen, wunderbare Fruchtsüße, aber auch tolle Säure & Mineralität um den Mund richtig zu ‚putzen’!

Tenute Rubino - Brindisi

Luigi Rubino hat mein Weltbild über süditalienische Weißweine in Erschütterung gebracht: Weine mit Tiefe, mit Charakter, mit Frische - so etwas hätte ich nie und nimmer am italienischen Stiefelabsatz vermutet. Aber auch die Rotweine sind eine wahre Hommage an die heimische Traube Negroamaro!

Vermentino Salento Bianco IGT 2008 (€ 7,70/ 750ml)
Die weiße Sorte Vermentino findet man häufig in Ligurien und in der toskanischen Maremma. Sie ergibt Weine mit feinem Rückgrat, schöner Frucht und einer guten Säure. Luigi Rubino hat die Reben erst vor wenigen Jahren gesetzt. Welches Ergebnis er bereits jetzt ins Glas zaubert ist fulminant!

‘Giancola’ Salento Malvasia Bianca IGT 2007 (€ 8,30/ 750ml)
Erst im April 2009 ist Luigi Rubino mit dem 2007er Jahrgang auf den Markt gekommen. Grund: der Wein lagert ein Jahr auf der Feinhefe! Für (süd-) italienische Verhältnisse ein fast schon revolutionäres Unterfangen… Der Wein verwöhnt mit einem Korb voll getrockneter gelber Früchte, feine Hefenoten (Brotkruste). Wunderbar weich und dicht im Mund, extrem saftige Säure. Toller Weißwein!

‘Saturnino’ Salento Rosato IGT 2008 (€ 5,90/ 750ml)
Rote Früchte (Brombeere, Holunder, Johannisbeere), dazu das saftige Tannin des Negroamaro und diese frische Säure, die alle Rubino-Weine kennzeichnet. Gerade Rosé-Gegner sollten sich in Acht nehmen: dieser (fast Rot-) Wein könnte zum Lieblingswein werden…

‘Marmorelle’ Salento Rosso IGT 2006 (€ 5,90/ 750ml)
Ein klassischer ‘Salento-Blend’ aus 85% Negroamaro und 15% Malvasia Nera. Feine rote Früchte, dazu leichte Mokka- und Kakaoaromen. Sehr weich, rund, aber dennoch zupackend. Ein im besten Sinne gefälliger Wein!

Negroamaro Salento Rosso IGT 2006 (€ 7,50/ 750ml)
Für mich ein toller Negroamaro! Kraft, Struktur und Frucht wird von einer fast schon spielerischen Frische getragen. Dieser Wein lässt viele ‘hochpreisige Kollegen’ ganz alt aussehen.

Die Primitivo Zone um Manduria:

Tenuta Pozzopalo

‘Giravolta’ Primitivo di Manduria DOC 2005 (€ 9,90/ 750ml)
Nur 30% dieses Primitivo werden im Barrique ausgebaut, und dennoch strotzt dierser Wein nur so vor kräutriger Würze! Liegt es an den über 40 Jahre alten Reben? Am Boden? Sei’s drum, dieser Wein begeistert mit seiner Vielschichtigkeit, mit seiner tiefgründigen Eleganz!

Az. Agr. Felline

Primitivo di Manduria DOC 2006 (€ 8,90/ 750ml)
Man merkt es diesem Wein nicht an, dass er 12 Monate im Barrique ’schlummerte’. Der Wein hat soviel power, dass er das Holz spielend wegsteckt, ja fast schon eine burgundische Eleganz besitzt. Wie bei allen Primitivo, kann man nur sagen: grandioses Preis-Leistungs-Verhältnis!

Az. Agr. Sinfarosa

‘Sinfarosa’ Primitivo del Tarantino IGT 2006 (€ 5,90/ 750ml)
Der ‘kleine’ Primitivo von Sinfarosa wird im Edelstahl ausgebaut und ist eher fruchtbetont und von mittlerer Statur.

‘Zinfandel’ Primitivo di Manduria DOC 2005 (€ 8,50/ 750ml)
Als ‘echter’ DOC-Primitivo sind 14% alc. obligatorisch! Je zur Hälfte wird der Primitivo im Edelstahl und in großen Holzfässern ausgebaut. Somit werden die Noten von roten Früchten von feinen Gewürzaromen untermalt. Der Name ‘Zinfandel’ wurde übrigens gewählt um zu verdeutlichen, dass der Übersee-Zinfandel seine Wurzeln eigentlich in Apulien hat (Anm. man geht davon aus, dass Primitivo & Zinfandel genetisch identisch sind bzw. gemeinsame ‘Eltern’ haben).

Torre Guaceto

‘Dedalo’ Salento Rosso IGT 2006 (€ 7,20/ 750ml)
Eine uralte, fast vergessene Rebsorte wurde hier ‘ausgegraben’: man vermutet, dass die Ottavianello Traube eng mit der französischen Cinsault verwandt ist. Der Ausbau erfolgt im Edelstahl. Sehr eigener Geschmack nach getrockneten Früchten, feine Reifenoten - ein Wein, der das Terroir des Salento Klasse wiederspiegelt!

‘Pietraluna’ Negroamaro del Salento IGT 2008 (€ 5,50/ 750ml)
Reinsortiger Negroamaro, im Edelstahl ausgebaut. Sehr fruchtfrischer Wein, weich und elegant. Ein wunderbar trinkiges Mittelgewicht.

Masseria Pepe

‘Dunico’ Primitivo di Manduria DOC 2005 (€ 19,00/ 750ml)
Der vielleicht weltbeste Primitivo? Mich jedenfalls lässt dieser Extrem-Wein nicht mehr los: unglaubliche Aromendichte von Teer, Gummi, rote Frucht, Tee, Kaffee. Frucht- und Reifenoten wechseln sich minutenlang im Mund ab. Die 60-jahre alten Reben wachsen auf kargen Sandböden am ionischen Meer und ergeben eine unglaubliche Unkonzentration.

Pervini

‘Bizantino’ Puglia Verdeca IGT 2008 (€ 4,70/ 750ml)
Aus der alten heimischen Sorte Verdeca wird ein sehr frischer, floraler Terrassen-Balkon-Sommer-Saufwein vinifiziert. Weich, rund, aromatisch. Mehr braucht’ s nicht!

‘I Monili’ Primitivo Tarantino IGT 2007 (€ 5,90/ 750ml)
Primitivo und ein 10-prozentiger Anteil Montepulciano ergeben einen sehr schönen Einstieg in die wunderbare Welt der apulischen Primitivo. Rote Früchte, guter Extrakt - ein sehr klarer, direkter Wein.

‘Primo Amore’ Primitivo di Manduria DOC 2004 (€ 11,40/ 750ml)
Diese ‘erste Liebe’ ist ein historischer Primitivo: bis vor wenige Jahrzehnte wurden Primitivo spät gelesen und restsüß ausgebaut. Simpler Grund: im armen Apulien waren Zucker & Alkohol ‘Kalorienlieferanten’. Der moderne, trockene Ausbau hat diese Unikate jedoch nahezu zum Aussterben gebracht. Schade, denn diese Weine haben neben der Restüße (ca. 40gr/ Liter) Gerbstoffe, Säure und tiefe Frucht, so dass die Weine problemlos altern können. Eine unbedingte Empfehlung für Freaks die iohr Herz an Recioto, Sagrantino Passito etc. verloren haben!

Die Primitivo Zone aus der Hügelregion Gioia del Colle:

Terra Jovia

Die Hügelregion Gioia del Colle liegt auf halben Wege zwischen der Provinzhauptstadt Bari an der Adria und der Küstenstadt Taranto am Ionischen Meer. In meinen Augen eine ungemein spannende Anbauzone für die Primitivo-Traube, sind doch die Weine nicht so ‘fett’ wie in der Ebene um die Stadt Manduria. Die Weinberge liegen auf knapp 400m Höhe und werden meist durtch frische Brisen von der Adria ‘gekühlt’.
Der Betrieb ‘Terra Jovia’ wurde von Luigi Filippo Colapinto und Nicolà Petrera erst 2004 ‘wieder belebt’. Die Großväter der Beiden hatten bis Anfang der 70-er Jahre das Weingut geführt (die Wurzeln datieren bis ins Jahr 1788 zurück), dann aber die Weinberge verpachtet.

Primitivo Gioia del Colle DOC 2006 ‘15%’vol. (€ 8,80/ 750ml)

Primitivo Gioia del Colle Riserva DOC 2006 ‘16%’ vol.(€ 12,80/ 750ml)

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Weinen:
Die Trauben für beide Weine werden streng selektioniert. Während es keine Seltenheit ist 8-10 Tonnen je Hektar zu lesen, werden bei Terra Jovia gerade mal 5 Tonnen je Hektar ‘eingefahren’. Die Trauben werden sofort verarbeitet und für 40 Stunden mazeriert. Im Anschluss erfolgt die Gärung bei 22° im Zementtank.
Die Riserva reift anschließend für 24 Monate in Zementanks, der Basis-Primitivo ‘lediglich’ 15 Monate.
Beide Weine glänzen durch feine Würznoten, Noten reifer Früchte und einer wunderbar samtig-weichen zwischen Säure, Tannin, Frucht und Alkohol. Traditioneller Primitivo at its best!

Die Region Castel del Monte:

Santa Lucia

Benannt ist die Region westlich von Bari nach dem achteckigen gotischen Jagdschloss welches Friedrich II. auf der Hügelkette des Nationalparks ‘Alta Murgia’ errichtet hat.
Die Azienda Agricola ‘Santa Lucia‘ befindet sich im gleichnamigen Ortsteil oberhalb der Stadt Corato auf ca. 250 m Meereshöhe. Die Wurzeln dieses Betriebes gehen bis in das Jahr 1628 zurück. Historische Aufzeichnungen belegen den Bau einer Villa im Jahr 1822 sowie die Anlage von Weinbergen im Jahr 1849.
Das Weingut wird heute von Dr. Roberto Perrone Capano, einem neapolitanischen Rechtsanwalt geleitet. Auf ca. 15 Hektar werden Weinreben und Oliven kultiviert. Der Fokus wird hierbei auf die autochthone rote Sorte ‘Nero di Troia’ gelegt, die fast auschließlich in der Region Castel di Monte und in der nördlich gelegenen Zone um Foggia kultiviert wird.

Castel del Monte ‘Vigna del Melograno’ DOC 2006
(€ 8,50/ 750ml Flasche; Literpreis € 11,34)

Nero di Troia ist eine sehr spät reifende Sorte mit mächtigem Tanningerüst. Die Lese erfolgt erst spät im Oktober wenn die physiologische Reife erreicht ist.
Nach der sanften Pressung gärt der Most zunächst in Edelstahlbehältern bei kontrollierter Temperatur. Es folgt eine 18-monatige Reife in 35 Hektoliter großen Eichenfässern. Hieran schliesst sich eine weiter 8-monatig Flaschenreife an.

Castel del Monte Riserva DOC 2006 ‘Le More’
(€ 22,50/ 750ml Flasche; Literpreis: € 30,00)

Lediglich 1,5 Kilo Trauben Nero di Troia je Weinstock werden der Crù-Lage ‘Viale nero’ entlockt. Nach der Gärung bei kontrollierter Temperatur reift die Riserva 18 Monate in französischen Barriques und weitere 6 Monate in der Flasche.

‘Gazza Rubina’ Aleatico Puglia IGT 2005 (€ 12,00/ 375ml Flasche)
Die roten Aleatico-Trauben werden überreif geerntet und für 30 Tage an der Luft angetrocknet um sie zu konzentrieren. Die Gärung wird nach dem Erreichen von ca. 13,5% Alkohol gestoppt, so dass dem Wein ein Restzuckergehalt von knapp 85 Gramm/Liter verbleibt. Wunderschöne Noten von Rosenblüten, Pfirsisch und Aprikose. Sehr schöne Säure, die zusammen mit dem Tannin die Süße puffert.
Ideal zu Kuchen & Schokolade und als reiner ‘Genusswein’