Wein & Kulinarisches im Kloster Geistingen

Etwas versteckt, im Innenhof des ehemaligen Redemptoristen-Kloster in Hennef Geistingen, finden Sie unsere Weinhandlung. Seit 20 Jahren beschäftigen wir uns, stets neugierig und über den Tellerrand schauend, mit dem faszinierenden Thema Wein. Den aktuellen Standort -in den sogenannten Ökonomiegebäuden des Klosters-betreiben wir seit gut 10 Jahren. Unter ‘Ökonomiegebäuden’ dürfen Sie sich den ‘Bauernhof’ der Patres vorstellen, war doch die Ordensgemeinschaft auf Selbstversorgung ausgerichtet. Mit viel Energie, Geduld und Schweiß ist es uns gelungen, diese Gebäude aus dem Baujahr 1902 vor dem Verfall zu retten, zu modernisieren und in ein stilvolles Ambiente für Handel, Seminare  & Degustationen zu verwandeln.

Crossover

Heute stellen wir 2 Weine vor, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Und der 3. Wein ist dann so etwas wie das ‘versöhnende Element’ zwischen diesen geschmacklichen Kontrahenten…

Bodegas LAN Rioja D.O. 2012 Reserva / 750ml / € 12,90

Bodegas LAN Rioja Reserva 2012 – ein ‘typischer’ Rioja aus Tempranillo & Graciano. ‘Typisch’ weil hier die komplette Dosis Holz prägend für diesen Wein ist. Noten von Nougat, Marzipan, etwas Kokos. Die roten Früchte nur ganz verdeckt im Hintergrund, die Trauben sind hier fast nur ‘Statisten’ um die Röstnoten des Barrique zu tragen. Das mag sich vielleicht schrecklich eindimensional anhören, aber in Geruch & Geschmack ist eine derartige Vielfalt, wie man sie nur an Feiertragen verarbeiten kann. Tolles Tannin, tolle Säure, ein Wein, der ‘gekommen ist um zu bleiben.’

‘U’ Passimento’ Sicilia Rosso IGT 2018 / 750ml/ € 8,90

Komplett anders geht es mit unserem nächsten Kandidaten weiter, ein Sizilianer mit toller, weicher, runder und saftiger Frucht und ganz wenig Gerbstoffen. Die Nero d’Avola Trauben werden am Rebstock durchtrennt und dürfen sich fortan ohne Nährstoffzufuhr schön geschmeidig in der süditalienischen Sonne konzentrieren. Der Anteil Frappato-Trauben liefert hingegen Frische & Säure, zudem dezente gelbfruchtige Noten. Beides zusammen macht den Wein trotz aller Kraft sehr trinkig, weich und rund. Trifft von Oma Erna über Onkel Kurt bis hin zur Nichte Jennifer-Christin fast jeden Geschmack!

Primitivo di Manduria Rosso Riserva DOC 2016 / 750ml/ € 12,50

Der lachende Dritte in der Mitte? Ein Primitivo aus Apulien, aus der Kernzone von Manduria. Wunderbare welke Blüten, Zedernholz, Tabak, kandidierte Früchte. Extrakt bis zum Abwinken, die oxidative Reife in den Barriques tragen die Frucht bis in alle Ewigkeit. Der Wein ist zwar holzgeprägt wie der Rioja, zugleich fruchtig-federleicht wie der Sizilianer. Wobei das Heuchelei ist, denn der Wein ist mit seinen knapp 16% Vol. alles Andere als ‘leicht’, er schmeichelt jedoch so, als könne er keiner Fliege etwas zu Leide tun. Da sollte Oma Erna besser schon im Bett liegen…

Eiswein – wie lange noch?

Wann haben Sie Ihren letzten Eiswein getrunken? Können Sie sich nicht mehr daran erinnern? Grämen Sie sich nicht – Eiswein ist eine Rarität! Minus 7 Grad muss es haben, um die Trauben ‘irgendwann im Winter’ bis Mitte/ Ende Januar zu lesen. Zuvor lässt der Winzer schlichtweg Trauben hängen. In gut ventilierten Parzellen, in Parzellen wo die Kälte am ehesten zuschlagen kann. Während des bangen Wartens setzt bei den Trauben bereits eine natürliche Konzentration (‘Rosinierung’) ein. Durch das ‘Einfrieren’ der Beeren wird zusätzlich noch das Wasser in den Beeren kristallisiert, was für eine weitere Konzentration an Fruchtzucker und Säure sorgt. Insbesondere die Konzentration der Säure lässt einen Eiswein, im Vergleich zur klassischen Beerenauslese, eleganter & frischer erscheinen.
Nun haben wir natürlich ein ‘Problem’: die Natur! Soll heissen: ein Eiswein-Jahrgang ist nicht planbar. Während früher in Deutschland pro Jahrzehnt häufig 5-6 Jahrgänge Eisweine hervorbrachten, zeigt sich in der letzten Dekade: es waren gerade einmal 2 Jahrgänge, wo das Warten und Bangen der Winzer belohnt wurde.
Somit sind wir mitten in der Klima-Diskussion: wie lange wird es noch einen Eiswein in Deutschland geben? Wir glauben: die klassischen Anbaugebiete wie Pfalz & Rheinhessen, Mittelrhein und Nahe werden zukünftig komplett wegfallen. Die Fröste kommen zwar, aber mitunter viel zu spät im Februar oder März – und da ist das Traubengut schlichtweg entweder dem Vogelfraß zum Opfer gefallen oder aber verfault.
In 2018 hatten wir 2 tolle Umstände: zunächst einmal waren die Wingerte so voller gesundem Traubengut, dass sich viele Winzer getraut haben ‘etwas hängen zu lassen’. In Deutschland hatten sich 602 Betriebe bei der Weinkontrolle angemeldet (eine Eisweinernte ist meldepflichtig!). Und dann hat auch wirklich noch spät, um den 20. Januar 2019, Väterchen Frost Mütterchen Erde so geküsst, dass es geklappt hat.

Phlipp Müller & Jochen Laqué haben 2019 den ersten Eiswein ihrer noch jungen Weingutsgeschichte eingebracht. Aus der Topp-Lage ‘Appenhofener Steingebiss’ wurden tiefgefrorene Spätburgunder-Trauben geerntet und als Blanc de Noir (‘Weisser aus den dunklen Trauben’) abgepresst. Natürlich ist dieser Wein süß, natürlich ist dieser Wein dicht & opulent und natürlich trinkt man so ein Elixier nicht jeden Tag. Nein, dieser Wein ist einfach eine Botschaft, eine Offenbarung, eine Rarität.

Spätburgunder ‘Blanc de Noir’ Eiswein 2018 – 375ml / € 25,90

Hinweis: Eisweine sind stabil. Geschmacklich aufgrund des Zuckers und der Säure schlichtweg für die Ewigkeit gemacht. Und sie sind wertstabil! Aufgrund der geringen Verfügbarkeit ist laut unserer Recherche (Entwicklung der Verkaufspreise / Raritätenpreise) eine Preissteigerung von 10-15% per anno realistisch.
Wir werden daher für diesen Wein des Jahrgangs jährlich eine Preisanpassung in Höhe von ca. 10% vornehmen:
2020: € 28,50 / 2021: € 33,90 / 2022: € 40,00 / 2023: € 44,00 / 2024 € 49,00
Wer ein paar Euro übrig hat und diese nicht bei 0% Zinsen auf dem Konto entwerten lassen möchte, sollte evt. mit dem Gedanken spielen, selbst an dieser Wertentwicklung zu partizipieren.

Appenhofener Steingebiss ‘Fumé’ – die vierte Dimension.

Umwege im Leben führen häufig zu grandiosen Überraschungen. Im konkreten Falle begründete sich der Umweg zunächst mit Verlust & Schmerz. Verlust, weil Martin Berdugo seinen Ribera del Duero Rosado aus dem Eichenfass nicht mehr in der Stilistik produziert, die uns alle hysterisch hat werden lassen. Schmerz, weil der Verlust nicht zu kompensieren schien.
Der Umweg führte dann dazu, dass man denkt ‘verflixt, jetzt nimmst du das Heft selber in die Hand’. Mein Freund Philipp Müller / gutvonbeiden kannte meine Leidensgeschichte, zu oft hatte ich ihm unter extremem Speichelfluss haargenau beschrieben wie dieser oxidativ ausgebaute Spanier ‘rüber kam’ und dass mich Alle für bescheuert halten. Ein Rosé ‘Fumé’, tiefdunkel, kräftig ohne Ende, spontan im Barrique vergoren….
2018 hatte Philipp dann wahnsinnig gutes Lesegut in der Topp-Lage Appenhofener Steingebiss. Und es waren zwei mehrjährige Barriques ‘zufällig’ leer im Keller. Irgendwann bekam ich lapidar mitgeteilt ‘ich hab da auch ‘Fumé’ im Barrique’. Dann wurde das Thema mehr-oder-weniger im Alltagsstress vergessen. Der Spätburgunder plus ein wenig Cabernet Sauvignon konnte jetzt machen was er wollte. Und zum Glück wollte er! Spontan vergoren, überhaupt nicht eingegriffen, Ruhe bewahrt. Und nun ist er da, dieser Wein, der -genau wie der Berdugo ‘Ribera del Duero’- in kein gängiges Schema passt. Theoretisch ein Rosé, theoretisch ein leichter Rotwein? Ich würde hier eher eine 3. oder 4. Kategorie öffnen, um diesem Wein weiterhin die Freiheit zu lassen, die er bereits im Weinkeller hatte.
Viel Himbeere, in der Nase Vanille & Holzwürze, dann Honigmelone, etwas Banane. Schön, dass bei dieser geballten Ladung Frucht in der Nase immer die Holzwürze flankiert. Im Mund zunächst Fruchtsüße. Achtung: den ‘Wein’ bitte nicht zu kalt servieren. Bitte auf keinen Fall an ‘6° Celsius Terrassen-Rosé’ denken! Eiswürfel überhaupt nicht ansatzweise in Erwägung ziehen!
Ab 12°, eher 14° kommt die Würze ungleich besser um die Fruchtnoten zu puffern. Saftigkeit, Salzigkeit, feine Holzwürze – die Geschmacksknospen haben im Mund Einiges zu tun! Feine, rauchige Länge, immer flankiert von roten Früchten. Bämmm! Das ist er, der Ersatz für den Berdugo!! Wunderbar oxidativ ausgebaut, der Wein geht auch nach 5 Tagen in der angebrochenen Flasche nicht in die Knie. Wahrscheinlich noch viel zu jung, aber was soll’s – das Zeug hat einfach Kultpotential.

Appenhofener Steingebiss Rosé 2018 (Barrique) – € 10,90/ 750ml

Omina Romana – hidden champion?

Man kann nicht Alles wissen. Mit diesem Bewusstsein hilft nur Eines um seinen Horizont zu erweitern: Neugier! Wenn dann aus dieser Neugier eine Überraschung formidablen Ausmaßes erwächst – umso besser!

In der wineBANK Köln durfte ich Heiko Walther kennenlernen. Heiko ist Gebietsrepräsentant für das Weingut ‘Omina Romana’. Ein Weingut, das aktuell nur ein paar Insider in der Topp-Gastronomie wirklich richtig nachhaltig auf dem Schirm haben. Das Weingut ‘Omina Romana’ wurde erst in diesem Jahrtausend von der deutschen Familie Börner westlich von Rom gegründet. Nicht aus einer Urlaubslaune heraus, sondern eine Entscheidung mit sehr viel Weitsicht, Akribie und einer gehörigen Portion Unternehmertum. Wer Weine von Weltniveau vermarkten möchte, der braucht mehr als nur einen guten Önologen. Der braucht auch Leute wie Heiko, die nimmermüde diese Weine stilgerecht präsentieren. Die genau wissen, dass sie hier kein ‘one hit wonder’ in der Kartonage haben, sondern eher den ‘hidden champion’, dass (noch) verkannte Genie.
Wir reden auch nicht über günstige Weine. Anton Börner hat nicht ein Leben lang im Familienbetrieb geschuftet um den dreihundertausendsten Pinot Grigio auf denMarkt zu bringen. Das wäre a) wenig genussvoll, b) langweilig und c) strategisch unklug.
Was wäre denn klug? Nun, man kann sich die besten, bekanntesten und teuersten Weine Italiens anschauen und betrachten, warum diese erfolgreich sind. Ein Brunello, ein Barolo – diese Weine leben vom Namen in einer berühmten, historischen Appelation. Dann haben wir da noch die ganzen ‘aia’s: Sassicaia, Ornellaia & Co. Weine, die irgendwann in nicht-historischen Gebieten (Maremma) aus nicht heimischen Rebsorten (Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc) wie Phönix aus der Asche gestiegen sind. Weine, die Italien im Mark erschüttert haben, anfangs als Tafelwein deklassiert, die einen unvergleichlichen, kontinuierlich anhaltenden Siegeszug gestartet haben, die Italien weltweit bekannt gemacht haben. Weine, die 100 Punkte in Bewertungen abgeräumt haben, Weine, die Flaschenpreise wie teure Namen in Bordeaux ‘verlangen’. Beispiel: 2016er ‘Sassicaia’, 100 Punkte sowohl bei Parker, Decanter wie auch Falstaff. Preis: ca. 350 Euro. Die Flasche.
Was hat dies bitte mit der Familie Börner zu tun? Noch nichts. Aber lassen wir uns darüber in ca. 5 Jahren nochmal unterhalten. Dann, wenn die auf Langfristigkeit ausgelegte Strategie von Anton Börner und Tochter Katharina in den großen Weinführern bekannt geworden ist. Noch werden hier nicht die Traumnoten gezückt, man schaut sich erst mal 3, 4, 5 Jahrgänge der Weine an. Halten diese das konstant hohe Niveau? Gibt es das für Italien so bekannte ‘Hin-und-Her’ in der Weinstilistik, dann, wenn sich nicht sofort der große Erfolg einstellt? Ich bin mir sicher: die Familie Börner sitzt am Pokertisch und weiss genau welches gutes Blatt sie in der Hand hält. Sie werden nicht nervös, sie fahren diese Stilistik unbeeindruckt weiter. Warum sollten sie auch etwas ändern? Ihre Weine stehen den berühmten ‘aia’s aus der Maremma in Nichts nach. Wenn ich alleine ihren ‘kleinen’ Wein, den ‘Diana Nemorensis’ 2013 betrachte, könnte ich heulen vor Glück. Ein klassischer Bordeaux Blend aus Merlot/ Cabernet Franc/ Cabernet Sauvignon für 25 Euro! Freunde, das ist ein ‘Sassicaia’, den Ihr Euch ALLE leisten könnt! Gut, vielleicht nicht so lange lagerfähig, nicht ganz so dicht, aber als 2013er jetzt-hier-und-heute ein perfekter Genuss. ‘Ornellaia’? Ist 8-mal teurer! Aber die Punkte? Gut, auf die Punkte müsst ihr verzichten – oder ihr wartet noch 3-5 Jahre auf die Bepunktung. Aber ob es dann noch diese Qualität für etwas über 25 Euro gibt. An Anton Börner’s Stelle würde ich jetzt verschmitzt lächeln…

TIPP: ‘Diana Nemorensis’ Lazio IGT 2013 – Omina Romana (Velletri/ Roma) € 25,90/ 750ml Flasche

Seelenschmeichler

Im Herbst, da braucht es die süß-herben Verführer, die unsere Seele streicheln. ‘Typisch belgisch’ präsentieren sich die Schokoladen von ‘Café-Tasse’ aus Brüssel. Gut, der Namen wirkt etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Schokoladen sind auf einem hohen Niveau und nicht zu ehrgeizig.
‘Exotisch’ – weil man das Herkunftsland Bulgarien nicht wirklich im Fokus hat – sind die ‘bean to bar’ Schoki von ‘Casa Kakau’ aus Plovdiv. Kleiner Familienbetrieb mit einem sensationellen Preis-Leistungsverhältnis!
‘La Praline’ -die ‘fancy truffels’ (O-Ton Hersteller) aus Schweden- sind Kakao-umhüllte Pralinen, unheimlich zart & weich. Die schmelzen ohne Ende am Gaumen. Das weiß mittlerweile die ganze Welt – daher kommen die Schweden mit dem Produzieren manchmal gar nicht mehr nach. Also: wenn sie da sind, sofort zugreifen, unbedingt horten!

Herbst. Wein. Kochen.

Wir freuen uns herzlich auf ein herbstliches Show-Kochen mit Kayne Schneider & Leon Kronester.
Der Schweizer Gerätehersteller V-ZUG feiert 10 Jahre ‘Lifestyle Cooking’. Dank Ralf Kronester, Küche-Wohnen-Gestalten aus Troisdorf, ist es uns möglich dieses kulinarische Event auch hier bei uns im Kloster anbieten zu können.

 

Termin: Dienstag, 19. November 18:30-22 Uhr. Preis: € 89,00/ Person inkl. Wein und Getränke. Anmeldung bitte unter 02241.70711

 

Glühwein der schmeckt – gibt’s das?

Bald droht sie wieder – die sensorische Apokalypse auf dem Weihnachtsmarkt. Leider halten viele Glühweine den geschmacklichen Ansprüchen von Weinliebhabern nicht stand. Doch zum Glück gibt es Abhilfe: einige wenige Winzer haben dieses geschmackliche Notstandsgebiet entdeckt – und packen selbst an. Familie Forster von der Nahe, Bio-Winzer im ECOVIN-Verband, produziert schon seit einigen Jahren sowohl einen weissen wie auch einen roten ‘Glüher’ – natürlich komplett mit Bio-Zutaten (Wein & Gewürze). Lieferbar auf Vorbestellung in der 1 Liter Flasche und in den praktischen Bag-in-Box-Schläuchen mit 3 sowie 10 Litern Inhalt.
Doch Vorsicht – genussvolle Bio-Qualität können wir nicht zum ‘Discounter-Preis’ anbieten:
1000ml Glasflasche: € 6,50 brutto
3000ml Bag-in-Box: € 17,90 brutto (Literpreis: € 5,96)
10000ml Bag-in-Box: € 49,90 brutto (Literpreis: € 4,99)

‘Equilibro’ – Harmonie aus Spanien’s Süden

Der Begriff ‘Equlibrio’ steht in der spanischen Sprache für ‘Harmonie’ und ‘Gleichgewicht’. Und in der Tat: diese drei Weine aus der südspanischen Anbauregion ‘Jumilla’ glänzen durch perfekte Harmonie! Hauptfaktoren sind hier die Rebsorte und das Klima. Die Rebsorte ‘Monastrell’ ist in Frankreich als ‘Mouvedre’ bekannt. Während sie in Frankreich häufig recht bitter & kantig wirkt, läuft sie in heissen Regionen zu einer ganz anderen Form auf. So auch in den heissen Gebirgzonen um Valencia: die Weine sind zwar von tiefer, fast schwarzer Farbe und hohem Alkoholgehalt, jedoch ist der Alkohol (14% und mehr…) niemals brandig, scharf oder sprittig. Zudem geizt der Monastrell in Spanien zum Glück mit der Bitterkeit. Spasseshalber habe ich den Monastrell schon mal als den ‘spanischen Primitivo’ beschrieben – aufgrund seiner Weichheit, der Farbe, der charmanten Frucht, der komplett mürben Tannine.
Da wir uns nicht so recht entscheiden konnten (oder wollten…) haben wir direkt 3-fach auf Harmonie gesetzt:
Flaggschiff ist natürlich der ‘Equilibrio 9’ mit 9-monatigem Ausbau in amerikanischen/ französischen Barrique. Das Holz verleiht natürlich Struktur & Kraft, dennoch ein enorm zugänglicher und eleganter Wein. Mit dem ‘Equilibrio 4’ gibt es einen kleinen Bruder, der mit der viermonatigen Fassreife deutlich mehr Richtung Frucht tendiert. Blumig, würzig, geschmeidig und gnadenlos trinkig ist die Cuvée aus Monastrell & Syrah. Der Syrah verleiht noch einen zusätzlichen Kick. Für welchen Wein man sich entscheidet? Wie gesagt, wir konnten uns nicht entscheiden 😉
(Hinweis: da KEINER der drei Weine im Flaschenpreis zweistellig ist, darf der Entscheid auch ruhig auf alle drei Weine fallen…)

 

Ca’ Linverno – wenn’s Winter wird im Valpolicella

‘Monte Zovo’ – hinter dieser Kapsel verbirgt sich für mich eine der größten Überraschungen des Jahres.Mich erinnert dieser Wein an ‘historische’ Amarone della Valpolicella. Warum? Weil er nicht so fett & breit daherkommt wie moderne Monster-Amarone.Zunächst werden die Trauben sehr spät gelesen, zwischen Ende Oktober und Mitte November. Dieser natürlichen Konzentration am Stock schließt sich eine weitere ‘Trocknungsphase’ für knapp einen Monat an (in gut durchlüfteten Hallen). Nach der Gärung wird der Wein für 24 Monate in 225l Barrique und 500l Tonneaux gereift. Es dauert weitere 12 Monate auf der Flasche, bevor der Wein auf den Markt kommt. Da der Wein nicht nur aus den für das Valpolicella-Gebiet typischen Rebsorten Corvina und Rondinella, sondern auch aus 10% Cabernet Sauvignon besteht, kann dieser Wein nicht als Valplolicella DOC etikettiert werden. Sei’s drum: dieser ‘Rosso Veronese IGT’ erinnert mich an ganz feine Amarone alter Stilistik. Trotz 15% Vol und 34g (!!!) Trockenextrakt, ist dieser Wein subtil und fast zärtlich. Für mich ein ganz, ganz großer Wein.Wer darauf verzichten kann, dass ‘Amarone’ auf dem Etikett prangt, der findet im Ca’ Linverno grandiosen Genuss – und das für deutlichst unter 20 Euro die Flasche!