Wenn der Müller den Müller macht…

In diesem Jahr werden es 50 Jahre her sein, dass die Rebsorte Müller-Thurgau in die deutsche Rebsortenliste eingetragen wurde. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts ‘experimentierte’ der Botaniker und Rebenzüchter Hermann Müller aus dem schweizerischen Kanton Thurgau mit verschiedenen Neuzüchtungen. Bis weit in die 1990er Jahre galt der ‘Müller’ als eine Züchtung aus Riesling und Sylvaner (daher auch das häufig verwendete Synonym ‘Rivaner’). Erst neue genetische Analysemethoden brachten Licht in das Züchtungsdunkel: Riesling und Madeleine Royale (eine Gutedel-Spielart) sind die Eltern.
Vom einen Müller (Hermann, der Züchter) nun zum anderen Müller (Philipp, der Winzer):
Mit dem aktuellen 2018er Müller-Thurgau hat Philipp Müller als verantwortlicher Önologe im Weingut ‘Gut von Beiden’ einen echten Klopfer rausgehauen. Ein wunderbar süffiger Wein mit den feinen Charakterzügen eines Rieslings, aber ungleich weicher und trinkiger. Kein Wunder, dass dieser Wein in die Literflasche muss: jeder Schluck weniger wäre Folter. Und mit 6,90 die Flasche ist der Wein für die gebotene Qualität fast schon zu billig (umgerechnet auf eine 0,75er Flasche sind das gerade mal EUR 5,17!!!)

‘Sogno del Sud’ – der Traum vom Süden

Wer träumt im nasskalten Februar nicht von Sonne & Wärme… Wie wäre es da mit etwas Süden, genussvoll als Rotwein in die Flasche gefüllt? Dieser Nero d’Avola von den Gebrüdern Biscardo wird im Weingut ‘Baglio Gibellina’ in der sizilianischen Provinz Trapani produziert. Liegt es an den vulkanischen Böden oder an der Bio-Kultivierung der Trauben: dieser Nero d’Avola kommt nicht fett, opulent oder alkoholisch daher, sondern begeistert durch seine feine Würze & Mineralität. Obwohl sich der Wein sprichwörtlich im ‘Handumdrehen’ öffnen lässt (screw-cap Schraubverschluss), steht dem Wein etwas Luft im Glas gut zu Gesicht. Charakterwein, und das für sechsEurofuffzisch die Flasche!!

Grosse Eleganz, kleiner Preis: Torre Oria

Knapp 70 km nordwestlich von Spanien befindet sich das Weinanbaugebiet Utiel-Requena. Ähnlich dem benachbarten Kastillien La-Mancha, ist die Region (leider) für Eines bekannt: billiger Wein. Die Qualität der Weine ist im letzten Jahrzehnt bedeutend besser gewonnen, ja eigentlich sind es richtig gute Weine, die aus diesen beiden Regionen kommen. Aber das Image, das hängt immer noch nach…
Utiel-Requena ist Heimat der autochthonen Rebsorte Bobal, der mit seiner extrem tintig-dunklen Farbe so etwas wie der ‘Dornfelder Spaniens’ ist. Über 70% der Rebfläche sind mit dieser Rebsorte bestockt, und gerade mal etwas über 10% bieten DER spanischen Rebsorte schlechthin, dem Tempranillo, ihre Heimat. So ist die hier vorgestellte Crianza von Torre Oria fast schon ein Exot in der Region, handelt es sich doch um eine Cuvée aus Tempranillo und Cabernet Sauvignon. Der Wein wird für 6 Monate im Barrique aus amerikanischer Eiche ausgebaut. Jung wird dieser Wein sicherlich ‘maskiert’ geschmeckt haben, also von der vanilligen Holz-Dosis dominiert. Zum Glück konnte ich mit dem 2014er einen gereiften Jahrgang aufkaufen, der sich super elegant, weich, rund und harmonisch präsentiert. Einschränkung: der Wein braucht etwas Luft! Gerade geöffnet wirkt er in Nase & Mund etwas ‘staubig’, mit Luft kommen jedoch tolle Noten von schwarzer Johannisbeere und Kirsche. Da ist nichts Gekochtes oder Marmeladiges, kein störender Alkohol, einfach nur trinkige Eleganz. In anderen, weit renommierteren spanischen Regionen würde man locker 10-15 Euro auf den Tisch legen müssen. Dank des erwähnten Imageproblems sind wir hier aber bei € 6,50 die Flasche – und das für einen perfekt gereiften Rotwein mit Holzausbau!!

P.S. das Etikett ist wirklich so etwas von Retro und unfassbar unharmonisch, dass sich -zumindest bei mir – inzwischen eine Neigung entwickelt hat, dies als ‘kultig’ zu betrachten. Wo findet man so etwas heute noch 😉

 

Der Frostwächter

Genau solch’ frostiges Wetter ist wie gemacht für unsere Primitivo di Manduria Riserva! Ein reinsortiger Primitivo aus der Kernzone DOC Manduria (Apulien), voller roter Früchte (Himbeere, Johannisbeere), extrem üppig am Gaumen und mit einer ordentlichen Ladung Barrique im Abgang. Eigentlich hat der Wein von Allem zuviel: selbst das Gewicht der leeren Flasche ist schon so hoch, dass man denkt man hätte eine Magnum-Flasche in der Hand. Dann hat dieser Wein eine Extraktsüße am Gaumen, die erst einmal satt macht. Im Abgang dann die Noten des Barrique (12 Monate), die aber perfekt mit der Frucht spielen. Also eigentlich ist dieser Wein wie ein Amarone, nur halt 1000 km südlicher als die Hügel von Verona.  Hier-wie-dort Alkoholgehalte von 15%, hier-wie-dort eine Opulenz, dass man sich erst mal setzen und die Eindrücke verarbeiten muss…
Nicht vorwerfen darf man diesem Wein, dass er eine Kopie eines Amarone sei. Nein, im Süden hat man schon immer derart konzentrierte Weine gemacht und auch machen können: im Gegensatz zum Amarone im Norden sorgen hier Sonne & Klima für eine Konzentrierung ‘by nature’.
Mit € 12,50 ist dieser Wein fair bepreist: für einen vergleichbaren Amarone sind das 2-3fache fällig. Und bitte nicht vergessen: dieser Wein ist so üppig, da trinken 4 Leute an einer Flasche und fühlen sich bestens unterhalten.

Fazit: ein üppiger, intensiver Wein, wie gemacht für die kuschelig-kalte Jahreszeit mit einem ‘leider-sehr-lecker’ Siegel!

 

Achtung! Digitale Baustellenarbeiten…

Unsere alte Web-Site war deutlich in die Jahre gekommen, nicht mehr zu 100% sicher und durch das vollkommen sinnbefreite WordPress GUTENBERG-plugin schliesslich ins digitale Nirwana abgedriftet. Während wir nun an einer neuen Gestaltung sowie einem neuen Design basteln, wird uns vorübergehend dieses schlichte Word-Press-Theme über die Baustellenzeit retten. Nicht unbedingt der optische Traum, aber so bleiben Sie trotz des digitalen Hämmern & Sägen auf dem Laufenden!

2018-2008: ‘Collefrisio di Collefrisio’

Die rote Rebsorte Montepulciano gehört für mich zu einer der besten Sorten, die auf dem italienischen Stiefel zu finden ist. Voller Frucht, Kraft und Säure ergibt sie knackig-herzhafte Weine mit einem immensen Alterungspotential. Dass wir Händler und Konsumenten häufig nur belangloses Zeig vorgesetzt bekommen, liegt nicht an der Sorte selbst oder der kompletten Unfähigkeit der Winzer, sondern an ökonomischen Faktoren. In den italienischen Regionen Marken und Abruzzen haben jahrzehntelang Genossenschaften oder Grossabfüller den Ton angegeben. Die gering gezahlten Traubenpreise lies den Weinbauern gar keine andere Möglichkeit, als ‘Masse statt Klasse’ zu produzieren. Die immer noch recht überschaubare Anzahl der Selbstvermarkter und Selbstabfüller unter den Winzern in den Regionen, versuchen verzweifelt das ramponierte Image aufzubessern und der Rebsorte zu dem zu verhelfen, was sie eigentlich verdient hat: ein Star am italienischen Weinhimmel zu sein.
Das Weingut ‘Collefrisio’ aus den Abruzzen hat sich erstmalig mit dem Jahrgang 2008 getraut, einen ‘Klopfer vor dem Herrn’ raus zu hauen. Gerade mal 40hl Ertrag je Hektar (für das deutsche Flaggschiff ‘Grosses Gewächs gelten 50hl/ha!), ewig lange Maischestandzeit und eine anschliessende Reifung von 18 Monaten im Barrique lassen uns einen Wein erleben, der mit Amarone, Brunello, Barolo und Co. auf jeden Fall in einem Atemzug genannt werden muss (natürlich nur mit den Besten der genannten Appellation).

Ökonomisch erfolgreich war dieser grandiose Wein für Amadeo de Luca und Antonio Particelli leider nicht: einen solch guten Wein traut man der DOC Montepulciano d’ Abruzzo mit ihren Massenweinen einfach nicht zu. Und so sind die Beiden einige Jahre später dazu umgeschwenkt, Montepulciano ‘more sexy’ zu gestalten. Das Antrocknen der Trauben bzw. der Verschnitt mit Primitivo mag zwar dem sensorischen und ökonomischen Zeitgeist (kurzfristig) entsprechen – auf lange Sicht kann die Region aber nur mit  reinsortigen Weinen wie dem 2008er Flaggschiff punkten.

Wir haben noch einige wenige Flaschen im Verkauf: € 25,80/ 750ml

2018-2018: Sauvignon Blanc ‘Limited Release’

Hui-da war der Weg im ‘Lager der Historie’ ja nicht wirklich lang! Ein Wein aus 2018, wo doch das Jahr noch nicht zu Ende ist? Wie soll das gehen? Die Lösung ist ganz einfach: wir rutschen einfach mal geschwind auf die Südhalbkugel nach Neuseeland-und treffen auf einen sensationellen Sauvignon Blanc! Während bei uns die Winterreifen aufgezogen werden, beginnt in Neuseeland gerade der Sommer. Die Weinlese wird im April/ Mai starten – und somit ist es dann nicht erklärbar, dass 6-7 Monate später bei uns die ‘frischen Jahrgänge’ anlanden.
Den Basis Sauvignon Blanc vom Mount Riley finde ich ja bereits mächtig sexy, aber der ‘Limited Release’ ist dann doch nochmals ein Paukenschlag für alle Sauvignon Blanc Liebhaber! Waren früher viele neuseeländische Sauvignon doch arg übertrieben aromatisch, so zeigt uns das Weingut Mount Riley in Marlborough, dass es auch elegant und lecker geht. Pyrazin, ein Aromat welches im Sauvignon Blanc verstärkt vorzufinden ist, kann in heissen Gegenden/ Jahrgängen richtig fies werden: wenn der Wein nur noch nach Tomatenstengel und Katzenpipi riecht und schmeckt, ist der Winzer über’s Ziel geschossen, und zwar heftig. Im ‘Limited Release’ (der jedes Jahr eine Topp-Selektion aus verschiedenen Weingärten abbildet) finden wir tolle Zitrus-Noten nach rosa Grapefruit, wir finden grasige (Zitronengras) und minzige Noten, dazu eine wunderbare Eleganz. Der Wein hat Zug am Gaumen und wird nicht zuletzt von einer knackig-frischen Säure von 7,3g/L sauber getragen. Diesen Wein kann man sofort trinken, muss man aber nicht. Das ist ein großer Wein für die nächsten 3-4 Jahre – und wer weiss: vielleicht entdecke ich ja 2028 noch eine Flasche im Lager und schreibe erneut  😉

 

2018 – 1998: ‘Mont Serrat’ – der kurze Ruhm von Torrevecchia

Schlappe 20 Jahre ist dieser rote Sizilianer aus der DOC Cerasuolo di Vittoria nun alt. Unwiderstehlich gut. Leider aber auch unwiederbringbar. Das Weingut ‘Torrevecchia’ in Acate stieg Ende der 1990er Jahre mit sensationellen Weinen zu einem unglaublichen Preis-Leistungsverhältnis wie Phönix aus der Asche. Genauso schnell, wie der Flug nach oben ging, kam der Absturz – und das Weingut existierte plötzlich nicht mehr. An Vermutungen und Gerüchten beteiligen wir uns nicht, wohl aber an der Schwärmerei über diesen Wein! Die DOC (heute DOCG) Cerasuolo di Vittoria in der Provinz Ragusa war lange eher unbekannt, und erlangte in der Weinszene erst in den letzten 10-15 Jahren eine verstärkte Beachtung. Den besonderen ‘Kick’ erlangt diese Appellation dadurch, dass neben der roten Sorte Nero d’ Avola eine weitere Sorte obligatorisch ist: Frappato. Diese Rebsorte überrascht mit einer großen Fruchtigkeit, die an gelbe Früchte erinnert sowie sehr viel Eleganz. In Verbindung mit der dunklen, kräftigen Nero d’Avola ist für mich diese Allianz weitaus spannender als eine Vermählung mit Cabernet, Merlot oder Syrah.

So öffnen wir denn mal ganz kurz unsere Schatztruhe und stellen bis zum 3. Advent einige wenige Flaschen des 1998er ‘MontSerrat’ in unser Verkaufsregal. Fein gereift, noch lange nicht am Ende, ein Wein den man mit Muße und bester Laune geniessen sollte. Preis je Flasche: € 19,98 😉
Angebot beschränkt verfügbar – solange Vorrat reicht.

 

Neu! ‘Trest’a Tramin’a – unsere Eigenfüllung aus dem Kloster

Mit guten & besonderen Produkten möchten wir gerne einen Bezug zu unserem Firmensitz herstellen. Im Jahre 1902 erbaut, war das Kloster Geistingen bis zu seiner Schliessung über 100 Jahre Heimat der Redemptoristen. Berühmt und geschätzt war der Standort für seine philologisch-theologische Hochschule, an der u.a. auch der spätere Papst Benedikt, Joseph Kardinal Ratzinger, häufig Gast war.
Heute ist die Nutzung ungleich weltlicher: Wohnungen, Büros und unser Geschäft haben Heimat in den denkmalgeschützten Gebäuden gefunden. Diesen neuen Geist haben wir in der Gestaltung der Etiketten aufgegriffen, ohne jedoch zu vernachlässigen, dass hier Glauben & Spiritualität lange eine feste Heimat hatten. Die ‘inneren Werte’ dieses Tresterbrandes liefern Philipp Müller & Jochen Laqué / gut von beiden, die den Trester des Gewürztaminers von einem befreundeten Kleinbrenner hervorragend destillieren ließen. Sehr weich, rund, mit einer wunderbaren Aromatik des Gewürztraminers im Abgang. Fein. Nein, korrigiere: sehr fein!

 

Unser ‘Trest’a Tramin’a – erhältlich in dekorativen Apothekerflaschen zu 500ml sowie 200ml.