Castel di Salve Santi Medici Rosso in der Vertikale

Frühjahrsputz im Lager – und siehe da, es komme noch einige erstaunliche Jahrgänge hervor! Der ‘Santi Medici’ Rosso des Weingutes ‘Castel di Salve’ / Apulien ist ein reinsortiger Negroamaro, der ohne Holz im Edelstahltank ausgebaut wird. Negroamaro lässt sich als die ‘schwarze Bittere’ übersetzen, verfügt diese autochthone apulische Rebsorte doch über kräftige Gerbstoffe. Was in der Jugend oft ‘kantig’ wirkt, garantiert auf der anderen Seite für ein gutes Alterungspotential.

So wundert es mich nicht, dass der ‘Jüngste’ im Quartett, ein 2012er, mit einer guten Lebendigkeit glänzt. Noten von Schwarzkirsche und felsige Mineralität, keine malzigen oder firne Noten, immer noch ordentlich Power in den Backen. Tief und vielschichtig. Sehr schöner Charakter-Wein!

Der 2010er hat in der Nase einen leicht oxidativ-malzigen Touch, wirkt jedoch im frischer, mit Noten von Johannisbeergelee und Pflaumenkompott. Mit Luft plustert sich der Wein sogar noch auf. Wen der Geruch nicht massiv stört, der wird auch mit diesem Wein noch ordentlichen Spass -insbesondere zum Steak-  haben 🙂

Den Jahrgang 2007 konnte ich leider nicht probieren: sämtliche Versuche, den Synthetik-Korken aus dem Flaschenhals zu ziehen, scheiterten! Wie einbetoniert klemmt dieser Zapfen in der Flasche – nach mehreren Versuchen habe ich es aufgegeben, nicht zuletzt um nicht das Wochenende in der Handchirugie verbringen zu müssen…

Letzter im Bunde ist der Jahrgang 2006. Was soll ich sagen: ja, der Wein ist (geruchlich) komplett oxidiert. Aber: da ist auch noch ordentlich Säure, da sind noch Tannine. Blind hätte ich auf einen trockenen, würzigen Sherry getippt. Also: mit einem klassischen Rotwein hat dies nicht mehr viel zu tun. Aber deswegen ‘entsorgen’? Mit dieser Option tue ich mich schwer, da dieser ‘Wein’ als Speichelfluss-anregender Aperitif nicht zu verachten wäre. Wie so häufig: es ist reine Kopfsache!