Faszination Nebbiolo

Am Weinhimmel gibt es zweifellos Fixpunkte, an denen man nicht vorbeikommt: Bordeaux bzw. der international kopierte Typus aus Cabernet und Merlot.
Dann natürlich Burgund: Pinot Noir als rauchig-würziger Kontrast zur Cassis-Frucht des Bordeaux. Riesling, natürlich, an Riesling kommt man überhaupt nicht vorbei!

Sonst noch große Weine am Rebsorten-Firnament?
Für den Bordeaux-Afficinado wahrscheinlich ein Tempranillo aus Rioja, Priorat und Ribera del Duero, für den Burgunderfreak hingegen: Nebbiolo!
Ob in Barolo, Barbaresco oder den unbekannteren Appellationen – egal, ein Nebbiolo-Fan lässt sich sogar aus tiefster Narkose mit dem Duft nach Leder, Unterholz, Trüffel, gereifter Kirsche ins Leben zurückholen!
Gerne gebe ich mein Bekenntnis zum Nebbiolo ab: ich liebe diese Strenge, diese Ecken und Kanten – aber nur, wenn sie in einem versöhnlichen, saftig-fruchtigen Finale enden. So habe ich mir in den letzten Jahren auch weniger aus den bekannten Nebbiolo-Vertretern Barolo und Barbaresco gemacht, sondern vielmehr mein Trinkerheil im Valtellina gefunden, dem Grenzgebiet zum Schweizer Kanton Graubünden. Vielleicht liegt es doch an der Vielzahl sehr warmer Jahrgänge, dass mir Barolo & Co. zu üppig erscheinen bzw. häufig ist mir auch der Holzeinsatz zu wuchtig. Letztendlich ist dies aber Geschmacksache, über die man trefflich diskutieren kann?

Ein willkommener Anlass hierzu wäre sicherlich das Weinseminar ‘Streifzug Nebbiolo’ am 22. März 2013: junge versus gereifte Nebbiolo, klassische Appellation gegen Randgebiete, sanfte Eleganz versus brachiale Urgewalt? Spannung ist garantiert!

Ein kleiner Vorgeschmack?

Sassella Valtellina Superiore DOCG 2009 – Nino Negri (€ 9,90/ 750ml)

Die Weinlage Sassella ist sicherlich die Bekannteste unter den vier Crù-Lagen des Veltlin und ergibt feinnervige Weine, die sehr stark an elegante Barolo vergangener Tage erinnern. Das Weingut Nino Negri unter Leitung von Casimiro Maule ist seit Jahrzehnten die beständige Größe im Weinbau des Valtellina und hat durch seine starke Exporttätigkeit auch dafür gesorgt, dass die Weine im Ausland einigermaßen bekannt geworden sind.

Vorsicht! Die blasse Farbe ist Nebbiolo-typisch und sagt nix über die Kraft des Weines aus...
Vorsicht! Die blasse Farbe ist Nebbiolo-typisch und sagt nix über die Kraft des Weines aus…

Mittleres Ziegelrot, feine Specknoten, Amarenakirsche, etwas Preiselbeere, gereifte Nebbiolo-Nase mit malzig-ledriger Textur. Im Mund herzhaftes Nebbiolotannin. Mit zunehmender Belüftung entwickelt sich Marzipan, etwas Trüffel und Unterholz. Viel gutes Nebbiolo-Tannin. Ein herrlich klassischer Nebbiolo, sperrig und kantig, leicht aggressiv (da noch jung). aber mit einem wunderbaren Abgang, der Minuten später noch den Gaumen tapeziert.
Für ‘Nicht-Vertraute’ ist ein solcher Wein sicherlich irritierend: die eher blasse Farbe erinnert mehr an einen kräftigeren Rosé denn an einen ausgewachsenen Rotwein. Am Gaumen kommt dann jedoch eine Tannindosis, die der Ungeübte so nie erwarten würde  😀
Ich liebe diese Weine, es sind Unikate. Probieren Sie hierzu ein Stück Trüffelsalami – Sie glauben gar nicht, wie sich Wein und Trüffel gegenseitig beflügeln!

 

Streifzug Nebbiolo, Freitag 22. März 2013, 19-22 Uhr
Weinseminar mit Oliver Wirtz.
Gebühr € 49,00/ Person inkl. kleinem Snack und ca. 8 Weinen