Grosse Eleganz, kleiner Preis: Torre Oria

Knapp 70 km nordwestlich von Spanien befindet sich das Weinanbaugebiet Utiel-Requena. Ähnlich dem benachbarten Kastillien La-Mancha, ist die Region (leider) für Eines bekannt: billiger Wein. Die Qualität der Weine ist im letzten Jahrzehnt bedeutend besser gewonnen, ja eigentlich sind es richtig gute Weine, die aus diesen beiden Regionen kommen. Aber das Image, das hängt immer noch nach…
Utiel-Requena ist Heimat der autochthonen Rebsorte Bobal, der mit seiner extrem tintig-dunklen Farbe so etwas wie der ‘Dornfelder Spaniens’ ist. Über 70% der Rebfläche sind mit dieser Rebsorte bestockt, und gerade mal etwas über 10% bieten DER spanischen Rebsorte schlechthin, dem Tempranillo, ihre Heimat. So ist die hier vorgestellte Crianza von Torre Oria fast schon ein Exot in der Region, handelt es sich doch um eine Cuvée aus Tempranillo und Cabernet Sauvignon. Der Wein wird für 6 Monate im Barrique aus amerikanischer Eiche ausgebaut. Jung wird dieser Wein sicherlich ‘maskiert’ geschmeckt haben, also von der vanilligen Holz-Dosis dominiert. Zum Glück konnte ich mit dem 2014er einen gereiften Jahrgang aufkaufen, der sich super elegant, weich, rund und harmonisch präsentiert. Einschränkung: der Wein braucht etwas Luft! Gerade geöffnet wirkt er in Nase & Mund etwas ‘staubig’, mit Luft kommen jedoch tolle Noten von schwarzer Johannisbeere und Kirsche. Da ist nichts Gekochtes oder Marmeladiges, kein störender Alkohol, einfach nur trinkige Eleganz. In anderen, weit renommierteren spanischen Regionen würde man locker 10-15 Euro auf den Tisch legen müssen. Dank des erwähnten Imageproblems sind wir hier aber bei € 6,50 die Flasche – und das für einen perfekt gereiften Rotwein mit Holzausbau!!

P.S. das Etikett ist wirklich so etwas von Retro und unfassbar unharmonisch, dass sich -zumindest bei mir – inzwischen eine Neigung entwickelt hat, dies als ‘kultig’ zu betrachten. Wo findet man so etwas heute noch 😉