Mystische Mosel

Ich hab’s getan. Erstmalig nach dem fatalen Netzhautriss im Mai diesen Jahres, als ich die letzten Steigungen im ‘Ürziger Würzgarten’ eher ‘seheingeschränkt’ absolviert habe, bin ich zurückgekehrt. Nach Ürzig. In den Würzgarten. Zu den Rieslingen. Zu Markus Berres.
Was macht diese Faszination aus, woher kommt diese magische Anziehungkraft? Ich glaube, es ist die Einfachheit. Man braucht sich nicht groß zu orientieren. Riesling ist das Thema – basta! Und dann kommt aber diese Kompliziertheit dazu: dieser ‘einfache’ Riesling überrascht (nicht überfordert!) mit einer schier unendlichen Breite an Geschmackseindrücken. Ich habe mit Markus lange & intensiv probiert; insbesondere die ‘gereiften’ Rieslinge sind immer wieder standing ovations wert. Wobei ‘gereift’ seit Verwendung des Schraubverschlusses ‘screw cap’ eine vollkommen neue Begriffsdefinition erfordert. Früher waren drei, vier, fünf Jahre alte Rieslinge vom typischen Petrolton geprägt. Heute macht man eine 2007er Spätlese auf, und denkt das Fräulein Riesling ist gerade mal drei Jahre alt!
Apropos ‘Schraubverschluss’: wir haben festgestellt, dass der ‘Schrauber’ eine Besonderheit aufweist: gehen beim mit Naturkork verschlossenen Wein Entwicklungsstufen fliessender ineinander über, so hauen sie beim Schrauber voll durch. Hat der Wein bspw. nach der Füllung einen sog. ‘Füllschock’, hat er ihn nicht selten in einer Ausprägung, dass man auf den Wein keinen Pfifferling mehr setzt. Hat der Mosel-Riesling seine Petrol-Phase, verwöhnt er nicht mit leichten schiefrigen Petrolnoten, sondern er riecht als sei ein Heizöllaster in der Kurve umgekippt. Auf der anderen Seite konserviert der Schrauber aber auch wiederum Fruchtphasen derart, dass man einen 8 Jahre alten Riesling als ‘Jungspund’ bezeichnen könnte.
Ich hatte unlängst den einfachen 2007er Riesling Kabinett trocken ‘Grauschiefer’ im Glas. Eigentlich wollte ich ihn ungeöffnet entsorgen, da dieser Wein vor gut 2 Jahren absolut tot war: ein Sack voll alter Petroleum-Lumpen. Nun geöffnet: Null Petrol, entfernter Lychée-Duft, straff und sauber am Gaumen. Brauchte locker 30 Minuten zum Atmen. Wow!

Die Mosel ist daher für mich ein Krimi: ich lese, ich glaube die Story und den Täter zu kennen – und schlage ich die Seite im Buch um, ergibt sich eine vollkommen neue Konstellation. Das ist fesselnd, das ist faszinierend!

Hier die Ergebnisse meines aktuellen Beutezuges:

Weisser Burgunder Mosel QbA 2014 (klassisch, sehr sortentypisch!)

Devon Riesling Mosel QbA 2013 (der Klassiker, etwas frischer als der 2012er)

Devon Resling Mosel QbA 2012 (perfekt gereifte Säure, für Liebhaber zwischen trocken und feinherb)

Ürziger Würzgarten Riesling Kabinett Mosel QbA  2011 (die volle Fruchtdröhnung, jung & frisch)

Ürziger Würzgarten Riesling Kabinett Mosel QbA 2009 (was für ein Wein! unfassbare Harmonie aus reifer Frucht, gereifter Säure und feinen Gerbstoffen)

Ürziger WürzgartenRiesling Spätlese Mosel QbA 2012 (92P in der ‘Weinwelt’, saftig, vollmundig, getrocknete Früchte auf tabakigen Würznoten)

Ürziger Würzgarten Roesling Spätlese Mosel QbA 2007 (knapp 71g RZ sind derart perfekt eingebunden, dass gerade das 8DKino erfunden wurde!)

Ürziger Würzgarten Riesling Auslese Mosel QbA (2010 war ein Jahr mit ganz tollen Botrytis-Noten!)

Sekt Mosel b.A. ‘C.H. Berres’ Extra Brut (mit 2 g RZ ‘theoretisch’ viel zu trocken, aber durch das lange Hefelager unfassbar fruchtig und druckvoll. Spielt gefühlt in der 30 Euro Champus Liga mit!!!)

 

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