Der Traum von Sommer – Teil 1

Träumen Sie vielleicht gerade schon von Sommer? Von Sonne, Strand und Meer? Von Abgeschiedenheit und Ruhe jenseits großer Bettenburgen? Dann auf nach Sant’ Antioco!
Diese ‘eigenständige’ kleine Insel steht vollkommen im Schatten ihrer großen Schwester Sardinien. Immerhin ist es die viertgrößte italienische Insel! Mit knapp 110 Quadratkilometern ist diese südwestlich der sardischen Stadt Cagliari gelegene Insel geradezu ein Traum: nur knapp 15000 Einwohner, keine Bettenburgen, dafür unberührte Sandstrände und schroffe Felsbuchten. Kaum zu glauben, dass auf dieser verschlafenen Insel eine Winzergenossenschaft derartig ins Horn bläst, dass der renommierte Weinführer ‘Gambero Rosso’ regelmäßig die ‘3 bicchieri’  für exzellente Weinqualitäten verteilt!

Was macht die Weine so besonders?

Auf Sant’ Antioco können wir gerne den geflügelten Begriff des ‘Terroir’ verwenden. Hier gründen Rebstöcke in den sandig-felsigen Boden, die teilweise über 50 Jahre auf dem Buckel haben. Zudem sind diese Reben ‘wurzelecht’, da die gefürchtete Reblaus sandige Böden ganz und gar nicht mag. Zum Schutz vor der sommerlichen Hitze werden die Reben im ‘Alberello’-System als kleines Bäumchen kultiviert. Und natürlich sorgt der herzhaft blasende Mistral für Abkühlung und salzige Luft. Dieses spezielle Mikroklima plus die Fokussierung auf alte, einheimische Rebsorten (=autochton) bietet die besten Voraussetzung um ‘große Weine’ zu vinifizieren. Leider wird aber häufig -gerade bei Insellagen wie Sardinien- zu wenig aus dem Potential geschöpft. Andreas März, Chefredakteur der Zeitschrift MERUM hat unlängst eine höchst unbefriedigende Sardinien-Verkostung mit dem Titel ‘Bloss nicht aufwecken!’ überschrieben. Zu rückständig, zu zufrieden mit dem vor-Ort Absatz an Touristen, kein Ehrgeiz sich auf dem Festland einen Platz in den Weinkarten der Restaurants und Fachhändler zu erobern…
Ganz anders scheinen die Uhren bei den Winzergenossen von ‘Sardus Pater’ zu ticken: hier hat man sich schon vor Jahren die Fachkompetenz des Star-Önologen Riccardo Cottarella gesichert. Mit seiner Hilfe wurde entscheidend an der Sauberkeit und der Kellertechnik gefeilt, statt touristischen Einheitsbrei zu produzieren  wurden die Besonderheiten der Rebsorten herausgearbeitet. Und es wurden Prestige-Weine vinifiziert um die Aufmerksamkeit der internationalen Fachpresse auf die einsame Insel zu lenken – die so wirklich gar Niemand auf dem berühmten Schirm hat. Seit 2009 haut die Genossenschaft jährlich mindestens einen Wein heraus, der die berühmten ‘3 Gläser’ des Gambero Rosso erzielt! Für mich persönlich sind jedoch die Basis-Weine das Aushängeschild der Kellerei, vermitteln sie doch auf authentische Weise Klima, Rebe und Standort!

 

 

Ein starkes Trio: Rotweine ganz ohne Holzschminke von der Insel Sant' Antiocco.
Ein starkes Trio: Rotweine -ganz ohne Holzschminke- von der Insel Sant’ Antiocco.

 

‘Foras’ Cannonau di Sardegna DOC 2012:
leicht rauchige Specknoten, fleischig & marmeladig, würzige Struktur und dennoch weich und sanft. Sehr zugänglich!

Cannonau ist in Frankreich als Grenache und in Spanien als Garnacha/Garnatxa bekannt. Von der Gerbstoffstruktur eher eine sanfte Traube

 

‘Insula’ Monica di Sardegna DOC 2012:
schöne Reifetöne, etwas Preiselbeere, kräftiges Tannin. Kein Schmeichler wie der ‘Foras’ – eher ein Wein zum saftigen Steak!

‘Monica’ ist eine Rebsorte, die ausschließlich auf Sardinien anzutreffen ist

 

‘Is Solus’ Carignano del Sulcis DOC 2012:
leicht ledrig, etwas Herbstlaub, tolle Säure, salzige Textur. Südliche Wärme durch-und-durch!

In Frankreich als Carignan, in Spanien als Carinena bekannt. Schwierig im Anbau, aber in alten Weinbergen Weltklasse!

 

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