Neu – Salvaterra Valpolicella Classico

Mit reichlich Wehmut denke ich – und einige Kunden an den fulminanten Amarone der Tenuta ‘Galtarossa’ zurück. Ein klassisch ausgebauter, würzig eleganter Amarone, üppig und dabei nicht fett… Leider wurde das Weingut bzw. die Weinberge aus Altersgründen verkauft. Wie es der Zufall nun will, scheint es so, als würden die Weinberge nun von der Tenuta Salvaterra bewirtschaftet. Salvaterra ist ein Zusammenschluss aus der Winzerfamilie Furia und einigen engagierten Investoren, die gezielt Topp-Lagen im Valpolicella-Gebiet aufkaufen um somit den weltweiten Durst nach den prestigeträchtigen Weinen aus den Hügeln oberhalb Veronas befriedigen zu können. Die Linie ‘Salvaterra’ stellt hierbei die absolute Qualitätsspitze da, werden doch ausschliesslich Trauben aus San Pietro in Cariano vinifiziert. Wir befinden uns hier in der sogenannten ‘Classico’- Zone, also einer der Kernzonen für Valpolicella und Amarone della Valpolicella. Hier auf über 500 Meter ü.N.N. herrschen auch im Sommer kühlere Temperaturen (besonders nachts), die für eine langsamere Reifung der Trauben und einstabiles Säuregerüst sorgen. Die Weine geraten dadurch weniger marmeladig oder ‘müde’, weisen trotz Kraft und Power noch eine trinkige Eleganz auf.

Valpolicella Classico DOC 2015 (€ 9,90): eigentlich war dies mal DER klassische Wein des Gebietes, bevor ab dem Jahrtausendwechsel der ‘internationale Hype’ um den ‘verstärkten’ Amarone entstand. Ein Wein aus Corvina, Corvinone und Rondinella, klassisch und ohne großen Firlefanz im Stahltank ausgebaut. Schöne Noten nach Kirschfrucht, saftig, zartbitter, trinkig. Leider geraten diese wunderbaren Weine etwas in Vergessenheit, bzw. mit dem großen Bruder Amarone lässt sich schlichtweg mehr Geld verdienen.

Ripasso della Valpolicella Classico Superiore DOC 2013 (€ 13,90): der Ripasso ist eigentlich ein ‘verstärkter’ Valpolicella – und entsteht quasi als ‘Nebenprodukt’ des berühmten Amarone. Beim Amarone werden die Trauben ca. 60 Tage angetrocknet und somit konzentriert. Der als Rest anfallende Trester ist hierbei immer noch so süß, dass man ihn im Februar nach der Lese in den bereits fertigen Valpolicella-Wein gibt. Dieser Wein fängt dann nochmals an zu gären bzw. extrahiert Süße. Wenn man gemein wäre, würde man sagen: durch die weltweit extrem hohe Nachfrage nach Amarone verschwindet der ‘einfache’ Valpolicella deswegen vom Markt, weil schlichtweg zuviel restsüßer Trester anfällt. Aus dem ‘historischen’ Valpolicella wird somit der ‘moderne’ Ripasso. Nun wollen wir aber nicht zu streng und sentimental werden, ist doch ein Ripasso schon ein ganz schön leckeres Stöff’che. Ausgebaut zu 80% im Holzfass, (Barrique / grosses Holzfass) und zu 20% im Edelstahltank ist dieser Wein eigentlich schon ein ‘kleiner Amarone’. Aber das wissen zum Glück die Asiaten nicht, die wollen dann doch lieber mehr demonstrativen Konsum und greifen zum Amarone 🙂

Amarone della Valpolicella Classico DOCG 2009 (€ 28,90): der ‘König’ des Anbaugebietes! Weltweit begehrt, ein Unikum, ein Wein wie ein Donnerhall! Kraft pur, leider oft viel zu jung auf den Markt gebracht. Bei Salvaterra darf der Wein ruhen, dieses Urviech kommt erst ganz spät auf den Markt. Aktuell ist der 2009er in der Vermarktung; andere Weingüter sind aktuell mit 2013 im Regal bzw. bringen ihre 2009er als hochpreisige (>€ 50,00)  ‘Riserva’ auf den Markt.  Für einen Amarone erfreulich trocken: 5g Restzucker ist fast schon ‘old-fashioned’ Style, versuchen doch ‘moderne’ Amarone mit marmeladiger Restsüße zu gefallen. Ich persönlich bin da eher ‘retro’ veranlagt: wenn ich Marmelade haben möchte, kaufe ich ‘Schwartau’, aber ein Amarone muss Kraft, Wucht, Extrakt und Eleganz so in die Balance bringen, dass das Trinken immer noch ein Genuss bleibt. In meinen Augen ein ‘Classico’ wie er im Buche steht!

 

 

…mit dem ‘Valpolicella Classico’ (Mitte) steht der ‘klassischste’ Wein des Anbaugebietes bewusst in der Mitte. Ripasso & Amarone haben diesen jedoch in der weltweitem Publikumsgunst überholt und machen dieses Anbaugebiet nördlich von Verona zu einem wahren italienischen ‘hot-spot’ des Weinbaus.