Nebbiolo, nein danke! – Nebbiolo, ja bitte!!!

Stetig und unaufhaltsam finde ich neue Fans für Weine des Valtellina. Dass dies gar nicht so einfach ist, liegt an verschiedenen Faktoren. Zum Einen sind Nebbiolo-Weine (in der Regel) preislich keine Alltagsweine: die bekannteren Weine Barolo und Barbaresco spielen locker in der + 25 Euro Liga.
Periodisch tauchen dann in den Supermärkten und Discountern vermeintliche Schnäppchen zu Kampfpreisen um die Euro 9,99 je Flasche auf. Diese – so decken sich meine Erfahrungen mit denen von berichtenden Schnäppchenjägern- sind den Preis aber definitiv nicht wert! (Anmerkung: wobei auch nicht jeder 30 oder 50 Euro Barolo sein Geld wert ist!).
Fazit: der Erstkontakt mit dieser einzigartigen Rebsorte ist für Viele der berühmte ‘Schuss in den Ofen’ – Nebbiolo, Nein Danke!
Gerade aber mit den ‘kleinen Weinen’ aus dem Piemont und insbesondere aus dem lombardischen Anbaugebiet Valtellina lässt sich hervorragende Wiedergutmachung betreiben! Diese Bergregion an der Grenze zur Schweiz schafft vorbildlich das herzhafte Nebbiolo-Tannin und die kernige Säure so mit Frucht zu Ummanteln, dass ein Schluckreflex auf den nächsten folgt!
Und bedenkt man, dass bspw. der ‘Quadrio’ mit € 9,90 je Flasche fast schon ‘Alltagsniveau’ erreicht, hören wir immer häufiger aus der Kundschaft ‘Nebbiolo, Ja Bitte!’
Wir möchten auch Sie überzeugen und schnüren Ihnen daher ein schönes six-pack, welches bei entsprechender Selbstdisziplin bis Ostern reichen könnte;-)

IMG_32943 Flaschen ‘Quadrio’ Valtellina Rosso DOCG 2009
je 1 Flasche aus den Einzellagen:

Sassella ‘Le Tense’ DOCG 2009
Grumello ‘Sassorosso’ 2009
Inferno ‘Mazer’ 2009

Preis für 6 Flaschen: Euro 70,00

Der  ‘Quadrio’ ist anfangs etwas ‘staubig’, benötigt eine gehörige Dosis Luft um sein saftiges Schwarzkirsch- und Johannisbeeraroma zu entwickeln.
Die Lage ‘Sassella’ erbringt für mich die typischsten Nebbiolonoten, ‘Grumello’ eher elegant und die östlich anschliessenden ‘Höllenlage’ Inferno die kräftigsten Vertreter (daher hier auch etwas mehr Barrique-Ausbau).

IMG_2902Tipp:
Da Nebbiolo für mich ein komplettes Sinneserlebnis aus Farbe, Geruch und Geschmack ist,
empfehle ich als Glas das Burgunder-‘Schwimmbecken’ von Spiegelau (4er Set zu € 29,00)
Info

 

 

Stilvoll schlucken!

Die Auswahl der richtigen Gläser ist nicht nur eine Frage der Ästhetik – Glasform und -dicke haben auch entscheidenden Einfluss auf unsere sensorische Wahrnehmung. Mit der Glasserie ‘Anniversary’ der berühmten Willsberger Kollektion ist der renommierten Glasmanufaktur Spiegelau ein wahrer Coup gelungen.
Seit über 30 Jahren werden die von Fotograf & Verleger Johann Willsberger entworfenen Kelche aus Kristallglas mundgeblasen hergestellt. Perfektes Handwerk hat natürlich seinen Preis – ca. € 30 je Glas sind für meine grobmotorischen Spülhände leider eine zu hohe Investition.
Spiegelau ist es nun gelungen das Glas maschinell zu fertigen – mit der Konsequenz, dass € 30 zwar immer noch ‘fällig’ sind – nun jedoch für ein komplettes 4er-Set!

Wie einst Marlene Charell im Fernsehballett, haben die Kelche schier endlose Beine; das Glas ist extrem dünn und trotzdem  sehr robust (der Stiel ist sogar leicht biegsam!).
Ganz großes Kino ist der Champagnerkelch mit Moussier-Punkt. Ich muss gestehen, ich bedauere nun jede bisher aus einer ‘simplen Sektflöte’ getrunkenen Sekte von Michael Andres & Steffen Mugler: was ist mir da an Aromenfülle durch die berühmten Lappen gegangen!

Den Wein bei den Hörnern packen!

Noch keine 30 Jahre alt ist der Bursche – und macht trotzdem Weine, als wäre er schon ewig im Geschäft! Kein Wunder, wer bei Knipser und den Gebrüder Kessler (Weingut Münzberg) ausgebildet wurde, der hat Einiges gelernt! Dies aber auch im eigenen Weingut so bravourös und konsequent umzusetzen, das riecht schon fast nach ‘a new star is born’.

Kennengelernt habe ich die Weine von Thommy Hörner rein zufällig auf der ANUGA. Ein kleiner Probierstand des DWI (Deutsches Weininstitut) im Pavillion des Bundesministerium für Landwirtschaft, Verbraucherschutz und sonstige Angelegenheiten-die-in-kein-anderes-Ressort passen – und da stand sie, die prägnante Flasche mit den kleinen Quadraten.
Ein blitzsauberer Gelber Muskateller ließ sämtliche Messehektik wegschmelzen. Die mit mir probierenden Schweden waren zunächst vollkommen irritiert (so etwas hatten sie noch nie getrunken!), jedoch habe ich mich nach Kräften bemüht ‘Hilfsbotschafter des deutschen Weines’ zu sein. Und ich glaube, sie sind in ihre Heimat zurückgekehrt, mit der Erkenntnis ‘those Germans are making f…….good wines abroad Riesling!’

IMG_2625Bevor die Skandinavier auf dumme Gedanken kommen, musste ich natürlich zuschlagen. Die letzten Flaschen Gelber Muskateller wurden aufgekauft und bei Vino & Kino zum ‘Anfixen’ präsentiert. Folge: tumultartige Proteste ‘wie, nur zum Anfixen?!!!?!!!
Aber auch der Spätburgunder aus dem Barrique begeistert: wer den Kesslers über die Schulter schauen durfte, weiß schon, wie man mit dem Holz richtig umgeht 😉

Die weiße Cuvee aus Weissburgunder & Chardonnay wiederum richtig frech: modern und doch zugleich traditionell, wird doch der Wein spontan vergoren und gärt im (ungetoasteten!) ‘Halbstück’, einer traditionellen Pfälzer Holzfasseinheit von 1000 Liter. Natürlich präsente Holztöne, als 2010er wirkt er geradezu als wäre just erst die Nabelschnur getrennt worden. Dann aber auch viel getrocknete gelbe Früchte, tolle Säure. Ich bin ja kein Holzfreund – aber dieser Wein ist definitiv ‘sexy’!

Der Weisse Burgunder als Gutswein ist leider bereits vergriffen. Daher musste ich zum Grauburgunder greifen – und wer meine ‘gespaltene Persönlichkeit’ gegenüber Grauburgunder kennt, weiss dass dieser Hörner Grauburgunder schon echt gut sein muss, um in meinem Kofferraum zu landen…

Ein kleines highlight ist für mich der Sylvaner. Natürlich ist hier bereits 2012 im Verkauf, wer jedoch den 2009er dagegen probiert, wird verstehen, warum genau dieser 2009er ebenso im Kofferrum landete: feine Reifetöne der Hefe, dichter Schmelz am Gaumen, reife Pfirisichfrucht. Merke: Sylvaner (uralte Kreuzung aus Traminer und Heunisch!) ist keinesfalls nur jung zu trinken und muss unbedingt aus dem Klischee ‘Spargelwein’ befreit werden!

 

Die Weine im Überblick:

 

Grauer Burgunder Pfalz QbA 2012 – Thommy Hörner (€ 7,50/ 750ml)

Riesling Pfalz QbA 2011 – Thommy  Hörner (€ 6,90/ 750ml)

Sylvaner Pfalz QbA 2009 – Thommy Hörner (€ 7,50/ 750ml)

‘Halbstück’ Chardonnay & Weisser Burgunder – Thommy Hörner (€ 11,70/ 750ml)

Spätburgunder Spätlese Pfalz QbA 2009 – Thommy Hörner (€ 12,90/ 750ml)

 

Eine Goldkapsel kommt selten allein…

Aktuell befinde ich mich im ‘Goldrausch’: nachdem ich nun den 2012er Grauburgunder Goldkapsel verkostet habe, erinnerte ich mich spontan an 3 Restkartons Chardonnay ‘Goldkapsel’ 2011, ebenfalls aus dem Pfälzer Weingut Ellermann Spiegel. Im Gegensatz zum Grauburgunder aus gleichem Hause wird hier konsequent auf einen Ausbau im Holzfass verzichtet – gut so, die Chardonnay-Traube ist von ihrer Anlage her bereits so nobel, dass es keinerlei Schminke bedarf.

IMG_0812Der 2011er Chardonnay ist anfangs ein leichter Stinker, etwas Zündholznoten, leicht rauchig. Dieser erste Eindruck ist aber bereits kurz nach dem Öffnen komplett verschwunden. Es kommt ein leichter Brotton, etwas Walnuss. Der Wein braucht definitiv Luft!. Nach 1 Minute kommt der Duft von Mandarinenschale, versteckt etwas Ananas, dann Limette und vollreife Ananas. Im Mund stoffig, guter Extrakt, saftiger Chardonnay-Schmelz. Natürlich machen sich auch die 13,5% vol. Alkohol im Mund bemerkbar, nein, ein leichter Terrassenwein ist diese ‘Goldkapsel’ definitiv nicht! Der Wein schreit förmlich nach Essen, ein schönes Vitello Tonnato fällt mir spontan ein. Sehr positiv gefällt mir, dass dieser Wein nie ins Breite oder Buttrige abdriftet, Attribute, die Chardonnay in der Vergangenheit leider ein wenig in Verruf gebracht haben. Ein sehr langer, sortentypischer Nachgeschmack, ich habe die feinen Chardonnay-Aromen auch noch nach 5 Minuten ganz subtil in der Backe sitzen!
Tipp: wer einen easy-going Chardonnay sucht, greift besser zum ultra-frischen Basis-Chardonnay aus gleichem Hause; wer jedoch einen eleganten Essensbegleiter mit Tiefgang sucht, der ist bei dieser fein gereiften Spätlese Goldkapsel bestens aufgehoben!

AKTION:
Chardonnay ‘Goldkapsel’ Pfalz QbA 2011 – Ellermann Spiegel

statt € 9,70 aktuell nur € 8,70 je 750ml Flasche – nur noch 18 Flaschen vorrätig!

Grauburgunder mit großer Eleganz

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich Weine aus der Traubensorte ‘Weisser Burgunder’ tendenziell den ‘Grauen Burgundern’ vorziehe. Das doch manchmal recht rustikale Mundgefühl eines Grauburgunders ist nicht so mein Fall. Aber natürlich gibt es hier auch ganz klare Ausnahmen – und häufig sind es gerade Grauburgunder mit einem Ausbau im Holzfass, die mich überzeugen. So war es bspw. der (leider längst ausverkaufte) Grauburgunder Muschelkalk von Theo Minges, der mich restlos begeisterte! Aktuell werde ich beim 2012 er Grauburgunder ‘Goldkapsel’ von Frank Spiegel schwach. Hier wird knapp die Hälfte des Mostes im Barrique vergoren, der Rest gärt im Edelstahltank. Im April wurden die beiden Weine dann so ‘vermählt’, dass die Frucht und die Noten des Holzes sich optimal ergänzen:

IMG_0800Anfangs ganz leichte Vanillenoten; es kommt Pfirsisch, Banane und Birne. Intensive, wuchtige Nase. Im Mund sehr schmelzig, wieder leichte Banane. Ein recht kräftiger und würziger Vetreter (13,5% Alk.), der aber niemals ruppig oder bitter ist. Mich überzeugt die wunderbare Eleganz, mich überzeugt die ganz dezente Holznote die die Frucht begleitet, aber niemals übertönt. Ein Wein, den ich in die Kategorie ‘nobel & elegant’ einsortiere!

AKTION:
Grauburgunder ‘Goldkapsel’ Pfalz QbA 2012 – Ellermann Spiegel

statt € 9,70 aktuell nur € 8,70 je 750ml Flasche

Feste gefeiert – feste gespendet!

Als hätten wir den drohenden ‘Wintereinbruch in der Nachspielzeit’ geahnt: bei unserem Frühlingsfest am 8. März haben alle Beteiligten noch mal so richtig Vollgas gegeben und der drohenden Kältewelle die heiße Schulter gezeigt!
Was gab es zu feiern?
Unsere neue Funktionsküche ‘made by Ralf Kronester’ ist fertig und wartete nur darauf Dampf und Hitze produzieren zu dürfen. Eigens hierfür hatte der Schweizer Gerätehersteller V-Zug seine Köchin Annette Scherer aus Baden Baden entsandt. Vertriebschef Ralf Peter ließ es sich natürlich auch nicht nehmen extra aus Kassel ins Rheinland zu kommen um Abends wieder heim nach Bad Hersfeld zu brausen (an dieser Stelle bitte keine Kommentare zur CO2-Bilanz…).

Und da wir mit dem Motto ‘das Ohr trinkt mit’ bereits beste Erfahrungen gehabt haben, durfte natürlich unsere Hauskappelle, die ‘Jazzkrönung’ nicht fehlen. Sängerin Karina Müller musste leider krankheitsbedingt kurzfristig absagen, jedoch hat Saxophonist Bert Brendel immer ein Ass im Ärmel – bzw. eine Nummer im Handy: Sänger Oliver Glosch von der Telekom Big Band sprang bravourös ins kalte Wasser!

Köstliches Essen, Wein in Strömen und viele richtige Akkorde – fehlt da nicht noch etwas?
Richtig! Eine Feier lebt von bestens gelaunten Gästen – und die hatten wir in Reinkultur! Der Bitte nach einer Spende für ein gutes, nachhaltiges und in die Zukunft gerichtetes Projekt wurde gerne entsprochen: 600 Euro kamen in den Topf der Kinder- und Jugenstiftung Hennef. Gefördert wird hiermit das Lesepatenprojekt. Denn wie sagte Hausherr Oliver Wirtz: ‘Chancengleicheit und Bildung sind der Erfolgsgarant für Kultur & Demokratie’.
Wir werden weiterhin die KiJu Hennef in ihrem ehrenamtlichen Engagement unterstützen – helfen Sie uns dabei!

 

Faszination Nebbiolo

Am Weinhimmel gibt es zweifellos Fixpunkte, an denen man nicht vorbeikommt: Bordeaux bzw. der international kopierte Typus aus Cabernet und Merlot.
Dann natürlich Burgund: Pinot Noir als rauchig-würziger Kontrast zur Cassis-Frucht des Bordeaux. Riesling, natürlich, an Riesling kommt man überhaupt nicht vorbei!

Sonst noch große Weine am Rebsorten-Firnament?
Für den Bordeaux-Afficinado wahrscheinlich ein Tempranillo aus Rioja, Priorat und Ribera del Duero, für den Burgunderfreak hingegen: Nebbiolo!
Ob in Barolo, Barbaresco oder den unbekannteren Appellationen – egal, ein Nebbiolo-Fan lässt sich sogar aus tiefster Narkose mit dem Duft nach Leder, Unterholz, Trüffel, gereifter Kirsche ins Leben zurückholen!
Gerne gebe ich mein Bekenntnis zum Nebbiolo ab: ich liebe diese Strenge, diese Ecken und Kanten – aber nur, wenn sie in einem versöhnlichen, saftig-fruchtigen Finale enden. So habe ich mir in den letzten Jahren auch weniger aus den bekannten Nebbiolo-Vertretern Barolo und Barbaresco gemacht, sondern vielmehr mein Trinkerheil im Valtellina gefunden, dem Grenzgebiet zum Schweizer Kanton Graubünden. Vielleicht liegt es doch an der Vielzahl sehr warmer Jahrgänge, dass mir Barolo & Co. zu üppig erscheinen bzw. häufig ist mir auch der Holzeinsatz zu wuchtig. Letztendlich ist dies aber Geschmacksache, über die man trefflich diskutieren kann?

Ein willkommener Anlass hierzu wäre sicherlich das Weinseminar ‘Streifzug Nebbiolo’ am 22. März 2013: junge versus gereifte Nebbiolo, klassische Appellation gegen Randgebiete, sanfte Eleganz versus brachiale Urgewalt? Spannung ist garantiert!

Ein kleiner Vorgeschmack?

Sassella Valtellina Superiore DOCG 2009 – Nino Negri (€ 9,90/ 750ml)

Die Weinlage Sassella ist sicherlich die Bekannteste unter den vier Crù-Lagen des Veltlin und ergibt feinnervige Weine, die sehr stark an elegante Barolo vergangener Tage erinnern. Das Weingut Nino Negri unter Leitung von Casimiro Maule ist seit Jahrzehnten die beständige Größe im Weinbau des Valtellina und hat durch seine starke Exporttätigkeit auch dafür gesorgt, dass die Weine im Ausland einigermaßen bekannt geworden sind.

Vorsicht! Die blasse Farbe ist Nebbiolo-typisch und sagt nix über die Kraft des Weines aus...
Vorsicht! Die blasse Farbe ist Nebbiolo-typisch und sagt nix über die Kraft des Weines aus…

Mittleres Ziegelrot, feine Specknoten, Amarenakirsche, etwas Preiselbeere, gereifte Nebbiolo-Nase mit malzig-ledriger Textur. Im Mund herzhaftes Nebbiolotannin. Mit zunehmender Belüftung entwickelt sich Marzipan, etwas Trüffel und Unterholz. Viel gutes Nebbiolo-Tannin. Ein herrlich klassischer Nebbiolo, sperrig und kantig, leicht aggressiv (da noch jung). aber mit einem wunderbaren Abgang, der Minuten später noch den Gaumen tapeziert.
Für ‘Nicht-Vertraute’ ist ein solcher Wein sicherlich irritierend: die eher blasse Farbe erinnert mehr an einen kräftigeren Rosé denn an einen ausgewachsenen Rotwein. Am Gaumen kommt dann jedoch eine Tannindosis, die der Ungeübte so nie erwarten würde  😀
Ich liebe diese Weine, es sind Unikate. Probieren Sie hierzu ein Stück Trüffelsalami – Sie glauben gar nicht, wie sich Wein und Trüffel gegenseitig beflügeln!

 

Streifzug Nebbiolo, Freitag 22. März 2013, 19-22 Uhr
Weinseminar mit Oliver Wirtz.
Gebühr € 49,00/ Person inkl. kleinem Snack und ca. 8 Weinen

 

Sangiovese in Bestform

Wer kennt das ‘Problem’ nicht: über Jahre wächst der Weinkeller systematisch an. Neuzugänge verdrängen lieb gewonnene Schätze aus der Erinnerung – meistens übrigens vollkommen zu Unrecht. Wenn Sie denken, dieses Phänomen betrifft nur den privaten Weinliebhaber, der Weinhändler hingegen sei vor diesem ‘önologischen Chaos’ bewahrt, der irrt gewaltig. Auch wir Weinhändler hetzen von Jahrgang zu Jahrgang, und vergessen dabei manchmal das Potential unseres eigenen Lagers. Während es bei Ihnen womöglich um Einzelflaschen geht, ist bei uns Händler die Gefahr des ‘Nichtbeachtens’ bereits bei einer Flaschenzahl von 20-30 Flaschen/ Sorte extrem ausgeprägt.

Dass diese ‘Vergesslichkeit’ aber auch wiederum ihre Vorteile hat, zeigt die Erfahrung mit dem ‘Poggio Capitana’ 1997 ein reinsortiger Sangiovese aus der toskanischen Maremma.

Bereits im Oktober 2011 hatte ich diesen Wein als Rarität der Woche präsentiert. Gestern habe ich diesen Wein erneut verkostet, diesmal gegen einen Morellino di Scansano 2001 der Gebrüder Bruni. Und ich muss sagen: der ‘Poggio Capitana’ hat nochmals eine ‘Schippe’ drauf gelegt.

Von der Farbe her ein blasses unscheinbares Ziegelrot mit wässrigem Rand scheint der ‘Poggio Capitana’ eher unspektakulär, ja für Manche bereits ‘über dem Zenit’. Erfahre Burgunder- und Sangiovestrinker hingegen lassen sich von dieser Farbe nicht täuschen, nein sie weckt meistens sogar noch Neugier!
Und diese Neugier wird am Gaumen mehr als befriedigt: dichte Noten von Amarenakirschen, mit Luft etwas Graphit und Salbei. Gereifte, aber niemals müde Nase. Am Gaumen unheimlich straffe Säure, mürbes, von dichter Extraktsüße getragenes Tannin. Herzhafter Wein, der förmlich nach einem ‘Bistecca Fiorentina’ oder einem Rumpsteak schreit. Herrlicher Wein, der mir in wenigen Schlücken die gesamte ´Geschichte der Toskana erzählt, der mir nur über den Geruch Landschaften und Bilder malt. Für mich ein Wein, der mit seiner Eleganz etliche Brunello als pure Dorftrottel stehen lässt.

Grazie Attilio Pagli (l’enologo) per questa terno al lotto!

Poggio Capitana Maremma Rosso IGT 1997 – € 19,50 / 750ml (Literpreis € 26,00) 

 

P.S. und der Morellino? von der Farbe her dunkler, ‘potenter’, dann aber doch arg gereifte, bittere Töne. Mit Luft besser, sicherlich trinkbar – aber bei bei der vom ‘Poggio’ vorgelegten Perfektion eher nicht der Rede wert…

 

Ausgezeichnet!

Wir freuen uns und sind stolz wie Oskar! Das Gourmet-Journal ‘Feinschmecker’ hat uns DIE Urkunde überreicht. Möglicherweise sind wir aus folgenden Gründen ‘ausgezeichnet’:
Seit der Gründung unseres Unternehmens vor fast 15 Jahren engagieren wir uns für originelle Weine mit gutem Preis-/ Leistungsverhältnis. Auch dank der Treue unser neugierigen Kunden ist es uns immer wieder möglich ‘mutige’ Entscheidungen zu treffen. So haben wir als einer der ersten Weinhandlungen die Renaissance des Lambrusco eingeläutet. Wir haben nach wie vor ein großes Herz für Weine aus Apulien, glauben aber genauso an das unglaubliche Können unserer jungen deutschen Winzer. Wir nehmen dem Mythos Wein das Mythische ohne ihn zu banalisieren oder zu industrialisieren. Wein ist ein Genussmittel, Wein ist lecker und gesellig. Wein benötigt Menschen die ihn mit Sorgfalt und Leidenschaft produzieren, Wein benötigt aber genauso Menschen die ihn mit Lust, Leidenschaft und Genuss trinken!
In diesem Sinne sind auch Sie, liebe Kunden Teil dieser Urkunde: fühlen Sie sich ‘ausgezeichnet’!