Pasión Moscatel – das geht doch gar nicht…

Ein trocken ausgebauter Muskateller aus dem heissen Valencia – und das soll funktionieren?!? Aus der Distanz würde ich sagen: niemals! Unter DEN klimatischen Bedingungen in Südspanien muss ein Muskateller eigentlich kapitulieren. Da kippt das Aromatische ganz schnell ins Seifige, ins Puffige, da bricht die Säure weg und hintenrum wird es dann bitter und uncharmant.
Wie schön, dass dieser Wein dann auf eine so wunderbare Art kontert und demonstriert, wie sinnlos & überflüssig Vorurteile sind…
Noch verrückter wird das Ganze, wenn man feststellt, dass der 2017er eigentlich immer besser wird. Durch die lange Lagerung auf der Feinhefe wird der Wein zunehmend schmelziger und stoffiger am Gaumen. Er lebt nun mitnichten von der primären ‘Muskateller-Aromatik’, die den Wein jung förmlich in die Nase hüpfen lässt. Nein, jetzt erinnert er mich eher an gereifte Grüne Veltliner aus der Wachau. Verrückt!
Aber wie funktioniert das Ganze denn jetzt, hier im Süden Spaniens? Nun, die Verantwortlichen der Bodegas Sierra Norte kraxeln zunächst einmal in die Höhe: auf 900 Meter über dem Meeresspiegel liegen die Weinberge in der Zone ‘El Pincho’. Ein weiterer Faktor ist das Bodenmanagement: sämtliche Weinberge der ‘Pasion’-Linie werden seit längerer Zeit bio-dynamisch bewirtschaftet. Dies führt dann nach 10-15 Jahren dazu, dass sich die Rebe mit ihrer Umgebung ‘arrangiert’. Sie ‘merkt’ sich genau wieviel Wasser, wieviele Nährstoffe ihr hier zur Verfügung stehen – und danach bildet sie Blüten & Frucht aus. Würde man hier agronomisch eingreifen und Stickstoff und/oder Wasser hinzufügen, würde der Rebstock mehr Früchte produzieren, als eigentlich ‘gesund’ wäre. Die Pflanze würde irgendwann in ‘Stress’ geraten, nur noch Zucker für den eigenen Stoffwechsel produzieren, Säure und Bitterstoffe hingegen verbleiben auf einem ‘primitiven’ Entwicklungsstand und reifen nicht aus. Ergebnis wären dann ‘seifige’ Weine mit riesigem Alkoholgehalt und ‘fiesen’ Bitterstoffen am Gaumen.
Hier beim 2017er ‘Pasión de Muscatel Seco’ jedoch ein wunderbar cremiger, stoffig-würziger Weisswein mit elegantem Mundgefühl. Unterstützt von einer dezenten Noten nach tropischen Früchten, die die Muskateller-Wurzeln nicht verleugnet, aber niemals dominant wird. Für mich persönlich ganz, ganz großes Kino, wirklich große Klasse und dies für unter 10 Euro die Flasche. Dringende Probierempfehlung!