Josten & Klein

Für uns hier im südlichen Zipfel von Nordrhein-Westfalen ist es nur der berühmte Katzensprung in die historischen Weinbaugebiete von Mittelrhein und Ahr. Vielleicht war-und-ist dies auch der Fluch für viele Weine dieser Regionen: die Besucher- und Touristenströme aus den Ballungsgebieten von NRW sorgten immer für leere Keller. Absatzprobleme? Zumindest an der Ahr ein Fremdwort!

Darunter gelitten hat sicherlich der Druck zur Erneuerung, zur Weiterentwicklung – gerade auch im Hinblick auf sich verändernde klimatische Bedingungen. Spätburgunder von der Ahr mit rosinigen 14-15° Alkohol – wer möchte die noch trinken?

Skepsis unangebracht: Spätburgunder in bester 'Pinot Noir' Tradition!
Skepsis unangebracht: Spätburgunder in bester ‘Pinot Noir’ Tradition!

Wie so oft kommt Erneuerung von der jungen Generation. Idealerweise noch frei von der Hypothek, ein traditionelles Weingut umkrempeln zu müssen. Diese große Chance haben Marc Josten und Torsten Klein ergriffen. Zwar sind Beide schon lange in der Weinbranche verwurzelt (Weinbautechniker Marc Josten lieferte seine Trauben lange der Mayschosser Genossenschaft; Diplom-Önologe Thorsten Klein ist Weinberater in Rheinhessen), jedoch konnten sie mit ihrer Vision von terroir-typischen Weinen förmlich bei Null starten.

Grenzgänger beidseits des Rheins

Marc Josten & Torsten Klein haben sich bewusst dazu entschieden, in ihrer Heimat Ahr ausschließlich die roten Sorten Spät- und Frühburgunder anzubauen.
Mit dem Mayschosser ‘Mönchberg’ verfügt das Duo über ein wahres Prunkstück, klassifiziert doch der VDP diese Gemarkung als ‘Erste Lage’. Skelettartige Gesteinsböden sorgen hier für mineralische, elegante Nuancen.
Für ihre Weissweine hüpfen die Beiden mal kurz über den Rhein nach Leutesdorf. Hier haben sie sich mit dem ehemaligen ‘Forstberg’ (leider wurde die drei -unterschiedlichen- Einzellagen des Ortes zur ‘Grosslage’ Gartenlay zusammengefasst) eine sportliche Herausforderung ans Bein gebunden: 40-60% Steigung auf Grauwacke-Verwitterungsböden geben nicht nur dem Wein, sondern auch den Oberschenkeln Muskeln…

Typisch für die Lage sind Zitrusnoten, leichter Honig und viel Schmelz, gepaart mit viel pflanzlichen und mineralischen Noten.

Der Riesling bekommt ein Geschwisterchen…

Aufgrund der Bodenstruktur entschlossen sich beide Winzer, ein Experiment zu wagen: der Anbau von Sauvignon Blanc am Mittelrhein! (Anmerkung: wer mit dem Pinot Noir bereits eine Diva im Haus hat, darf sich auch ruhig an der ‘femme fatale’ Sauvignon Blanc versuchen…)
Das dieses Experiment mehr als geglückt ist, zeigen die Verkaufszahlen: immer ratzi-fatzi ausverkauft!
Neu im Sortiment ist auch der Graue Burgunder, der im Jahrgang 2013 seinen ‘Jungfern-Ertrag’ feierte. Auch hier wieder diese lagentypische krautig-frische Note und der zärtliche Schmelz am Gaumen.

Die Fachwelt horcht auf!

Es war sicherlich ein hohes Risiko, welches das Duo eingegangen ist: bewusst wurde auf einen ‘everybodys-you-are-my-sweetest’ Alkoholbomben-Fruchtstil verzichtet. Die Böden sind nun mal einzigartig, geben jede Menge Würze und Pfeffer an die Reben. Deswegen brauchen die Weine Zeit um die komplette Dosis Mineralität und Würze zu verdauen. Dies hat jedoch auch die Fachwelt sehr schnell erkannt – und beobachtet sehr sorgsam welches Juwel an Eleganz und Charakter bei Josten & Klein entsteht. Bereits 2013, also mit dem ersten präsentierten Jahrgang wurden die beiden Newcomer von der Presse als ‘Entdeckung des Jahres’ ausgezeichnet.

Eines vorweg: Marc Josten & Torsten Klein sind nicht angetreten um die billigsten Weine des Weinplaneten zu produzieren. Das ist auch schwer möglich: historische Steillagen mit ‘Handarbeit-satt’, niedrige Erträge, sorgsames Hantieren mit französischen Fässern sowie ‘keine Hektik’ sind garantiert keine Kostensenker…

Dennoch findet man gerade im ‘Gutsweinbereich’ Weine, die ihr Geld mehr als wert sind. Und wer einmal in den Genuss kommen wird die Crù-Weine aus Gartenlay (Sauvignon Blanc!) und den Mönchberger Pinot Noir zu probieren, der ist auf der Qualitätsleiter ganz, ganz oben angekommen!

Riesling Mittelrhein QbA 2012 € 9,50

Trotz sympathischer 11,5% Alkohol ist dieser Riesling ein richtiges Schwergewicht: kräuterig am Gaumen, etwas Honig, sehr viel Zitrusaromen sorgen für viel Druck am Gaumen. Für mich eher schon der essensbegleiter als der ‘Terrassen-Zischer’.

Grauer Burgunder Mittelrhein QbA 2013 € 9,50
Auch der Graue Burgunder kann seine Herkunft nicht leugnen: extrem schmelzig, mineralisch.

Rosé Ahr QbA 2013 € 8,90
Feine Himbeer-und Erdbeernoten, gepaart mit ‘Ahr-Würze’

Pinot Noir Ahr QbA € 12,90
Bereits der Guts-Pinot-Frucht packt kräftig zu! Knackige Säure und dezente Holzwürze tragen die feinen Fruchtnoten von Brom- und Heidelbeere

Hinweis: alle unsere Weine enthalten Alkohol, Wasser, Äpfelsäure, Weinsäure, Glukose und Fructose, Schwefel, Gerb- und Farbstoffe, Aminosäuren, Spurenelemente und wer-weiss-was-sonst noch. Wir können weder ausschließen, dass Sie glücklich noch allergisch darauf reagieren!

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