Theo Minges (Pfalz)

Die Weine von Theo Minges habe ich erstmalig bei den Landauer Weintagen im Jahr 2008 verkostet. Aus einer insgesamt sehr homogenen Kollektion auf hohem Niveau hatten mich auf Anhieb die trockene Scheurebe Spätlese und die ‘Zinkelerde’ Spätburgunder Auslese begeistert.

Das Weingut der Familie Minges befindet sich in an der südlichen Weinstraße unweit von Landau. Theo Minges ist seit wenigen Jahren VdP-Mitglied. Sein Credo ist ‘die Energie im Fluss zu halten’. Was furchtbar esoterisch klingt, ist in der Praxis simpel & plausibel: die Energie, die die Trauben am Rebstock durch nachhaltige Pflege des Weinberges ‘getankt’ haben, darf man nicht durch willkürliche Eingriffe im Keller zunichte machen. Geduld zeigen, abwarten, sich auf Neues einlassen – das sind die Stärken von Theo Minges.
So muss man manchmal auch mit den Minges-Weinen Geduld haben: gerade die Rieslinge sind in ihrer Jugend häufig schroff und spröde, gehören aber de facto zu den alterungsfähigsten Rieslingen der Südpfalz.
Seit wenigen Jahren ist Tochter Regine mitverantwortlich für Weinberg und -keller. Inzwischen hat der Betrieb auch sein Zertifizierungsphase für den ökologischen Landbau abgeschlossen und ist mit dem Jahrgang 2014 erstmals offiziell ‘Bio-Betrieb’.

Muskateller Kabinett trocken 2011 € 8,50/ Flasche 
Feinste florale Noten treffen auf einen Strauch voller Minze – und dann kommt im Mund die Strahlkraft eines Laserschwertes! Dieser Wein ist wahrlich nichts für Memmen sonder eine Offenbarung für ‘Anders-Trinker’!

Sylvaner Kabinett QbA 2011 € 7,50/ Flasche
feine Aromen nach Banane, grüner Tee (getrocknet). Mit 11% Alkohol, etwas über 5 gr. Säure und einem Restzuckergehalt unter 1 Gramm ist dieser Wein sehr mild und saftig, aufgrund seiner Mineralität aber nicht knapp und kurz. Komplett anders als fränkische Sylvaner, aber orignell und sehr trinkig!

Scheurebe ‘Gleisweiler’ Kabinett trocken 2011  € 8,50/ Flasche
Sie hat schon einige Höhen und Tiefen erlebt, die 1916 von Georg Scheu in Alzey gezüchtete Rebsorte aus Riesling und einer unbekannten Wildrebe!
Gerade in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts, als bukettreiche und fruchtsüße Weine sehr beliebt waren, stieg die ertragreiche Sorte insbesondere in Rheinhessen und in der benachbarten Pfalz zu ungeahnten Höhenflügen auf. Doch mit Erreichen des Weinskandals in den 80er Jahren wurde auch die Scheurebe als Vertreter der restsüßen Weine abgestraft. Viele Winzer haben in der Folge ihre Reben untergepflügt und stattdessen so charmante Neuzüchtungen wie Dornfelder & Co. gestockt…

Bei Theo Minges fallen derartige Überreaktionen stets auf unfruchtbaren Boden… Rebsorten wie Muskateller, Scheurebe oder der Rieslaner genießen im Flemlinger Weingut uneingeschränkten Artenschutz. So wird in Winzerkreisen stets voller Hochachtung davon gesprochen, dass Theo Minges immer und uneingeschränkt diese heiklen Bukettsorten auf höchstem Qualitätsniveau kultiviert und vinifiziert hat. Bevor nun die  ‘ich-trinke-doch-nur-trocken’-Verfechter die Nase rümpfen: Theo Minges gelingt es immer wieder diese Rebsorten knacketrocken zu vinifizieren. Diese saftig-fruchtig-aromatisch-trocken-saubere Scheurebe gehört in jedes Lehrbuch. Unbedingt. Definitiv!

Riesling Spätlese trocken 2010 ‘Buntsandstein’ € 12,00/ Flasche
Theo Minges ist weit davon entfernt ‘weichgespülte’ Rieslinge zu vinifizieren. Minges’ Rieslinge habe immer ein solides Säuregerüst, aber bei voller physiologischer Reife der Trauben. Man muss schon ein wenig Geduld mit diesen Weinen haben – wird dann aber mit glockenklaren Rieslingen belohnt, die Frucht, Mineralität und Säure in geradezu schulbuchmäßiger Eleganz interpretieren!
Nebenbei bemerkt: die Weine sind nahezu unkaputtbar, absolute Langstreckenläufer…

An dieser Stelle auch ein großes Lob an die Familie Minges: obwohl VdP-Mitglied, obwohl dieser Wein ganz locker in der Liga ‘Großes Gewächs’ spielt, wird nicht an der Preiskurbel gedreht. Eine Großes Gewächs tolle Spätlese zum fairen und trinkigen Kurs – Mille Grazie nach Flemlingen!!!

Chardonnay Spätlese trocken ‘Kalkmergel’ 2009 € 12,00/750ml
warum denn zweimal Chardonnay? Simpler Grund: die beiden Jahrgänge sind grundverschieden – aber auf ihre Art faszinierend. Dort der saftige, harmonisch-elegante 2008er und hier der kraftvolle, stoffige 2009er. Sicherlich sind es auch die 1% mehr Alkohol und die höhere Extraktsüße, die diesem Wein Wucht & Schmelz verleihen. Hinzu kommt eine leicht pfeffrige Note, immer begleitet von der sexy Holznote aus der Pfälzer Eiche. Dieser Wein ist für mich definitiv DER Essensbegleiter, da er jede Wildsau vom Teller putzt!

Rieslaner Spätlese ‘Burrweiler Schlossgarten’ 2011 € 10,80/ 750ml
Theo Minges hat immer Süßweine auf einem für die Pfalz beispiellosen Niveau gemacht. Gerade so ‘verpönte’ Rebsorten wie Rieslaner oder Scheurebe genossen im Hause Minges  uneingeschränkten Artenschutz.
Der Rieslaner verwöhnt mit vollreifer Grapefruit, saftiger Süße, dazu aber auch Bitterstoffe und Extrakt, die sehr fein die Süße puffern. Gerade der Jahrgang 2010 liefert mit seiner präsenten, aber vollreifen Säure eine absolute Steilvorlage für restsüße Weine.
Ein Verführer par excellence – oder wie treffsicher von Minges formuliert ‘ein Traum im Glas!’

Schwarzriesling Spätlese trocken 2007 € 10,50/ 750ml
Nur in absoluten Topp-Jahren verläuft die Reifung des heiklen Schwarzriesling so, dass Theo Minges ihn als ‘ausgewachsenen’ Rotwein vinifiziert.
Rauchige Burgunder-Note, Speck, Tabak, getrocknete Früchte. Feines Blütenaroma welker Rosen, vollreifer Pfirsisch. Im Mund feiner Extrakt, weich, rund, sehr geschmeidig, aber mit herzhaftem Biss. Gutes Tannin auf saftiger Säure. Bleibt lang und elegant auf einer einzigartig fruchtig-blumigen Note.
Mein Urteil: der Nebbiolo der Pfalz!

rieslaner burrweiler

 

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