Sizilien

Az. Agr. Gulfi di Catania Vito (Chiaramonte Gulfi – Catania)

Die Weine dieses Weingutes passen so gar nicht in unser Bild von Sizilien (und seinen Weinen). Wir stellen uns einen ‘Glutofen’ kurz vor der Küste Afrikas vor, geschmacklich haben wir marmeladige Alkoholbomben am Gaumen…
Völlig falsch!
Gulfi befindet sich im Südosten der Insel und verfügt über beste Weinberge in der renommierten Zone Pachino.
Vito Catania, erfolgreicher Mailänder Fabrikant, hat Unsummen in seine Heimatregion gepumpt – und ein Ende der Investitionen ist noch nicht absehbar. So hat der konsultierende Agronom der berühmten Domaine de la Romanée Conti die Weinberge rekultiviert, und mit Salvo Foti ist der Topp-Önologe für autochthone Rebsorten Siziliens mit im Boot. Ab den Jahrgängen 2007 (dann ist die 3-jährige Zertifizierungsphase abgeschlossen) werden die Weine offiziell aus Trauben aus biologischem Anbau sein.
Die Gulfi Weine sind bei aller Kraft und Struktur keine ‘Brecher’ sondern sehen ihre Vorbilder eher im Burgund.
Unsere Meinung: vom günstigen ‘Vinù’ bis hin zu den 4 Cru-Lagen aus Pachino eine wahrhaft überzeugende Kollektion!
Tipp: der weisse ‘Valcanzjria’ lehrt so manchem Montrachet das Fürchten!!!

 

‘Nerojbleo’ Sicilia Rosso IGT 2004 – € 17,90/ 750 ml
Auch der ‘Nerojbleo’ entstammt zum Teil dem ‘Vigna Ragoleti’, jedoch werden auch Trauben des Weinbergs ‘Vigna Coste’ im ‘Val Canziria’ verwendet (420m ü.N.N; 8900 Stöcke/ Hektar).
12 Monate Fassausbau in 225l/ 500l-Fässern. Ein würziger, kräftiger Vertreter mit sehr gutem Alterungspotenzial.

Kommen wir zu den 4 Topp-Crù-Lagen in Pachino:

Hinweis: die Weine sind mit diesen Jahrgängen  noch nicht als ‘Pachino DOC’ etikettiert, da die Kellereigebäude in Pachino noch nicht in Betrieb waren. Die DOC schreibt eine Abfüllung innerhalb des DOC-Gebietes vor!

 

Vigna Baroni

‘Nerobaronj’ Sicilia Rosso IGT 2001 – € 29,90/ 750ml

Fast auf Meeresspiegel liegt der 3 ha große Weinberg ‘Baroni’ im Val di Noto. 30 Jahre alte Reben, kultiviert in der ‘Alberello’-Form. Sandig-kalkhaltiger, lockerer Boden. Ausbau in französischen Barriques für ca. 18 Monate.
vbufaleffj.jpg
‘Nerobuffalefj’ Sicilia Rosso IGT 2002 – € 29,90/ 750 ml
2,5 Hektar großer Weinberg auf 50m. Sehr abwechslungsreicher Boden von Kalk über Zonen roten Sandes bis hin zu lehmhaltigen Bereichen. 35 Jahre alte Reben in Alberello-Erziehung. Ausbau für 18 Monate in französischen Tonneaux (= 500 l).
vigna maccari
‘Neromaccarj’ Sicilia Rosso IGT 2001 – € 29,90/ 750 ml

Der Weinberg ‘Maccari’, auf lediglich 30 m ü.N.N. ist durch einen kalk-lehmhaltigen Boden gekennzeichnet. 30 Jahre alte Reben, mit einer Stockdichte von 7000/ Hektar (wie bei den anderen Cru-Lagen). Reifung in französischen Barriques für 18 Monate.

vsanlorenzj.jpg

Nerosanlorenzj’ Sicilia Rosso IGT 2002 – € 29,90/ 750 ml

Der 4. im Bunde schnuppert geradezu Meeresluft: nicht einmal 700 Meter vom Meer entfernt befindet sich der 2,5 Hektar große Weinberg ‘San Lorenzo’ auf 10 m ü.N.N. Die Reben sind ca. 40 Jahre alt. Ausbau in Barriques für 18 Monate. Ein Wein mit fast schon salziger Textur!

Wir bedanken uns bei Gulfi für die freundliche Überlassung des Bildmaterials !!!

 

Tenuta Rapitalà (Camporeale – Palermo)

Der Name des Weingutes leitet sich aus dem arabischen ‘Rabihd-Allah’ (der Fluss Gottes) ab und bezeichnet den Wasserstrom, der durch die Weinberge dieses südlich von Palermo gelegenen Weingutes fliesst. Satte 230 Hektar bewirtschaftet die französisch-italienische Adelsfamilie de la Gatinais. Bereits 1968 pflanzte Graf Hugues Bernard französische Rebsorten in den sizilianischen Boden – wen wundert’s, stammt er doch aus dem bretonischen Saint Malo. Heute leitet das Weingut Sohn Laurent Bernard de la Gatinais, welches zweifelsohne zu den absoluten Topp-Weingütern in Sizilien gehört. Der Weinstil ist eigentlich seit Jahren unverändert: Frische, statt Superkonzentration, Eleganz statt Marmelade. So hören wir immer wieder begeisterte Rückmeldungen der Kunden, die gerade bei der Frische der Weissweine und des Rosato niemals an die als heiß verschrieene Insel kurz vor Afrika gedacht hätten. Es darf aber nicht vergessen werden: Sizilien ist sehr gebirgig, die Weinberge von Rapitalà liegen bis auf 600 Meter Meereshöhe!

Grillo Sicilia Bianco IGT 2014 (€ 7,50/ 750ml)
Die spätreifende sizilianische Traube Grillo wird vornehmlich für die Marsala-Produktion verwendet. Der Grillo verfügt über eine kräftige Struktur mit schönen mineralischen Anklängen. Fast schon ein Muss zur Meerküche!

‘Piano Maltese’ Sicilia Bianco IGT 2014 (€ 7,50/ 750ml)
Grillo, Catarratto und die Rebsorte Chardonnay zu je einem Drittel ergeben einen Wein, der einfach nur rund, lecker, saftig und niemals langweilig ist!

‘Tenuta’ Sicilia Rosato IGT 2014 (€ 6,90/ 750ml)
Nerello Mascalese und Perricone heissen die zwei heimischen Rebsorten, die diesem Rosé bestens zu Gesicht stehen: Der Nerello verleiht Würze und Kraft, der Perricone ist eher für Frucht und Frische zuständig. Seit Jahren einer der beliebtesten Rosé-Weine.

‘Camporeale’ Nero d’Avola Sicilia Rosso IGT 2013 (€ 7,80/ 750ml)
Nicht nur die Fachzeitschrift MERUM zählt diesen authentischen Nero d’Avola regelmäßig zu seinen Favoriten: feine Frucht- und Blütennoten, gepaart mit dichtem aber sehr weichem Tannin. Abgerundet durch eine leichte Mokkanote, die möglicherweise durch einen winzigen Verschnitt mit Syrah herrührt. Ausgebaut in Edelstahltanks, kein Holz!

Syrah Sicilia Rosso IGT 2013 (€ 7,50/ 750ml)
Dies Syrah-Weine Siziliens sind sehr speziell: sie sind nicht  so wild und animalisch wie ihre französischen Kollegen. Vielmehr wird hier die Würze durch feine Noten von Kakaobutter und Schokolade unterstützt. Bei aller Struktur: ein ungemein trinkiger Wein.

‘Alto’ Sicilia Rosso IGT 2012 (€ 11,90/ 750ml)
‘Holzbomben’ findet man bei Rapitalà nicht: und so wurde auch dieser reinsortige Nero d’Avola zunächst im Edelstahlfass vergoren, um danach ca. 7 Monate in Barriques und in großen Eichenfässern den letzten ‘Schliff’ zu bekommen. Auch eher wieder ein ‘burgundischer  Sizilianer’ kein Nero d’Avola im Amarone-Stil.

 

Baglio Gibellina (Gibellina-Trapani)

Mit dem Weingut ‘Baglio Gibbelina‘ in der Provinz Trapani haben die beiden Veroneser Brüder Maurizio und Martino Biscardo den berühmten richtigen Riecher gehabt. Rechtzeitig erkannten sie, dass um Nero d’Avola und Co. ein ‘Hype’ entstehen würde. Hierzu muss man wissen: Verona ist für Italien das, was die Stadt Bordeaux für Frankreich. Hier sitzen die großen Handelshäuser und Weinmakler, hier wird der Preis für Fasswein gemacht, hier wird analysiert und investiert. Von hier geht der italienische Wein in alle Länder dieser Welt…
Es mag daher nicht verwundern, dass die Weine von Baglio Gibellina eher etwas moderner vinifiziert sind. Der Rotwein ‘Terremoto Rosso’ beispielsweise (ein Blend aus Nero d’Avola und Merlot), welcher der manchmal doch etwas kantigen sizilianischen Ur-Sorte eine Weichheit und angenehme Mundfülle verleiht. Der Rote ‘U Passimento’ kann hingegen nicht verleugnen, dass seine Weinmacher ihre Heimat im Veroneser Valpolicella haben: ein Teil der Trauben wird wie beim Amarone angetrocknet, um Fülle und Konzentration zu erreichen. Und ist da noch ein Weisswein, bei dem mir das Herz aufgeht: ein sortenreiner Zibbibo! Zibbibo ist eine uralte Rebsorte, die als ‘Moscato d’Alesandria’ bekannt ist und somit aus Afrika stammen dürfte. In der Regel werden aus ihr süße Dessertweine gekeltert, jedoch werden in den letzten Jahren auch verstärkt ‘trockene Weissweine’ aus dieser Rebsorte vinifiziert. Sehr zitrus-fruchtig, aber auch mit wunderschöner Würze am Gaumen. Für meinen Begriff lässt sich ein Sommertrag nicht perfekter ausklingen als mit einem Glas Zibbibo!

‘Orgoglio’ Sicilia Bianco IGT 2014 – Baglio Gibbelina (€ 7,50/ 750ml Flasche)
-reinsortiger Zibbibo, im Edelstahltank vinifiziert. Obwohl Sizilien nicht gerade mit üppiger Säure ausgestattet ist, bewahrt dieser originelle Weisswein seine Frische, driftet nie ins Seifige oder ins Parfümierte ab. Lecker!-

Nero d’Avola Sicilia IGT 2014 – Baglio Gibellina (€ 6,50/ 750ml Flasche)
-für mich ein sehr typischer Nero d’Avola: würzig, erdig, Schwarzkirsche-

Nero d’Avola Salaparuta DOC 2014 – Baglio Gibellina (€ 7,50/ 750ml Flasche)
-die DOC Salaparuta im Westen Sizilien ist Italiens größtes zusammenhängendes Weinbaugebiet. Für den Nero d’Avola ist ein Mindestanteil von 65% Pflicht. In diesem Wein erhält der ‘Nero’ Unterstützung durch  jeweils einen kleinen Anteil Syrah und Merlot (mit Holzfassausbau). Das gibt den erdig-würzigen Noten des Nero etwas mehr Frucht und Weichheit, nimmt ihm natürlich auch etwas von dem rauhen, ursprünglichen Charme.-

‘Assurdo’ Rosso Sicilia IGT 2012 – Baglio Gibellina (€ 11,90/ 750ml Flasche)
-60% Pinot Nero (Spätburgunder) ‘küssen’ hier 40% Nero d’Avola. Wer jetzt denkt, Pinot Nero ‘funktioniert im ‘heissen’ Sizilien nicht, sieht sich getäuscht. Zwar muss der Pinot schon Ende August gelesen werden, aber durch die verfeinerung in 500l Holzfässern erhält er eine ungemein geschmeidige Textur. Zusammen mit dem ‘ungestümen’ Nero d’Avola ergibt dies einen sehr eleganten Wein.-

‘Terremoto’ Rosso Sicilia IGT 2011 – Baglio Gibbelina (€ 12,90/ 750ml Flasche)
– knapp zwei Drittel Merlot (im Holzfass gereift) und ein Drittel Nero d’Avola ergeben einen dichten, üppigen Wein, der dennoch Eleganz versprüht. Anfangs ist der Wein verschlossen, die 14,5% Alkohol ‘stechen’ ein wenig in Nase und am Gaumen. Dann geht aber minütlich die Post ab: Noten von Pfeffer, Teer, Graphit und Nougat entwickeln sich, dazu Cassis und Brombeere. Nach einer Viertelstunde entwickelt der Wein eine Eleganz und Trinkigkeit, dass das Glas -wie von Geisterhand- immer leer ist 🙂
Dieser Wein hat bei der MUNDUS-Vini Verkostung die Goldmedaille erzielt!-

‘U Passimento’ Sicilia Rosso IGT 2015 – Baglio Gibbelina (€ 9,90/ 750ml Flasche)

– zu 30% aus der Sorte Frappato, die zeitig geernet wird um Frische zu konservieren, und zu 70% aus Nero d’Avola, die am Stock angetrocknet werden. Erinnert nicht nur in der Traubenzusammensetzung sehr stark an einen Cerasuolo di Vittoria aus dem Südosten Siziliens: der Frappato verleiht sehr fruchtige und blumige Noten, die Einen sofort aus dem Glas heraus anhüpfen. Der Nero d’Avola ist ungemein geschliffen, so dass der Wein wie Samt und Seide daherkommt. Tipp: ruhig leicht gekühlt bei 14° trinken!

Diesen Wein führen wir auch als 1,5l Magnum in der dekorativen Holzkiste!

gibbelina - 1

Schreibe einen Kommentar