Toskana

Viele von Ihnen wissen, dass die Wurzeln unserer Geschäftstätigkeit in der Toskana gründen. Unvergesslich, dieser Tag auf dem Weingut ‘Il Poggiolino’ wo wir uns durch herrlich-klassische Chianti in die Geheimnisse des Sangiovese hineingetrunken haben. Welch ein Erlebnis, jahrzehntealte blass-ziegelfarbene Weine von burgundischer Eleganz zu erleben!!

Seither sind de facto noch nicht einmal 10 Jahre vergangen. In diesem Zeitraum -so scheint es mir- ist in diesem traditionellen Weinbaugebiet kein Stein auf dem anderen geblieben. Die Stilistik der Weine ist so heterogen, dass man heute von ‘DEM’ Chianti Classico nicht mehr sprechen kann.

So ist denn nun auch unser Neuzugang, das ‘Castello di Cacchiano’ von Baron Ricasoli-Firidolfi keinesfalls repräsentativ für das Gebiet – obwohl es meine persönliche und vollkommen subjektive Meinung ist, das ein Chianti Classico so schmecken sollte…

Castello di Cacchiano – Monti in Chianti

Chianti Classico DOCG 2004 (€ 14,90/ 750ml)
(95% Sangiovese; 5 % Canaiolo. Der Most verbleibt 10 Tage auf den Schalen. Reifung in 20hl Fässern, in Barrique und Tonneaux)

In der Nase Schwarzkirsche und Holunder. Feine, frische Nase, keine Anzeichen von ngekochten Früchten oder Rumtopf. Feine, sehr saftige Säure. Tolles Tannin. Mit Belüftung Noten von Heu und schwarzem Tee. Sehr saftige Länge. Animiert sofort zum Weitertrinken!

Chianti Classico DOCG ‘Riserva’ 2001 (€ 22,90/ 750ml)
(Traubenzusammensetzung und Reifung wie oben, jedoch verbleibt der Most 21 Tage auf den Schalen!)

Hier haben wir ‘Schwein’ gehabt: eigentlich bereits ausverkauft, konnten wir noch einige für den US-Markt bestimmte Flaschen ergattern…
Ich war ‘scharf’ auf diesen Jahrgang, weil er -ähnlich wie 1999 und 2004- ein sehr klassischer Jahrgang ist, ohne störende Rumtopf- und Alkoholnoten.
Wieder feiner Holunder, hinzu Teer und ledrige Noten. Holzeinsatz zwar noch spürbar, aber sehr fein und dezent. Der Wein ist definitiv noch jung, braucht Luft. Tolle Riserva mit Kraft und Eleganz und perfektem Holzeinsatz.

Rosso di Cacchiano Toscana IGT 2004 (€ 11,90/ 750ml)
(80 % Sangiovese sowie Canaiolo, Merlot und Malvasia; Reifung in großen Holzfässern und im Zementtank)

Auch kein schlechter Wein! Der reduzierte Holzfass-Ausbau und der Anteil der ‘sanften’ Merlot-Traube machen diesen Wein weicher und gefälliger, ohne dass der Wein dabei ‘international’ und austauschbar würde. Man könnte diesen Wein auch als Chianti Classico moderner Stilrichtung bezeichnen – und sogar auf den Markt bringen!
Ich persönlich finde die Philosophie von Barone Ricasoli jedoch sehr stimmig: Merlot und Cabernet haben natürlich ihre Berechtigung in der Toskana. Aber es reicht doch vollkommen, Weine unter Verwendung dieser Trauben jenseits der Classico-DOCG als ‘Toscana IGT’ zu klassifizieren – oder wird dadurch etwa der Trinkgenuss geschmälert?

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