Moselseminar – Monotonie ausgeschlossen!

Wieder hat das Moselseminar mit den Weinen des Weingut Berres gezeigt: trotz der vermeintlichen Sicherheit ‘Bescheid’ zu wissen, überrascht jede Flasche. Und trotz der Ausgangssituation ‘Eine Rebsorte (Riesling) plus ein Weingut kommt selbst nach der 17. Flasche noch keine Langweile auf. Zu vielfältig, unerwartet und unberechenbar präsentieren sich diese Weine aus dem Ürziger Würzgarten der Jahrgänge 2003 bis 2015. Und wer glaubt, die Analysewerte auf dem Papier (Restzucker/ Säuregehalt/ Alkohol) würden über den sensorischen Zebrastreifen führen – Fehlanzeige! Mehr noch: was wir heute sensorisch so-und-so einordnen, kann in einem halben Jahr wieder komplett anders aussehen. So ist ein vor einem Jahr ‘tot geglaubter’ 2007er Kabinett trocken vom ‘Grauschiefer’ aktuell wieder präsent und stabil. 2003er Weine von Vater Alfred Berres? Retten den Ruf des deutschen Weinbaus, waren doch 2003  landauf-landab sonst nur dumpfe alkoholische Weine ohne Finesse und Lebenskraft produziert worden!

Mosel – der Mythos lebt!

230 km Flusslauf in Deutschland, mineralische Böden bis zum Abwinken, Steillagen mit 60° Hangneigung, das weltweit größte zusammenhängende Anbaugebiet für Riesling (davon viele Reben noch wurzelecht), Weinbautradition seit über 2500 Jahren – da muss doch was gehen!

Und ob da was geht!
In meinen Augen ist der Riesling weltweit nirgendwo so sexy wie an der Mosel! Das Jonglieren mit den unterschiedlichen Einflussfaktoren von Boden, Lichtverhältnissen und Wärme, welche von Parzelle zu Parzelle extrem schwanken können, dieses Potential spielen viele Moselwinzer perfekt aus. So kommt denn auch bei einem Winzer wie Markus Berres, der außer Riesling in Topp-Lagen ‘Nichts zu bieten hat’ nie Langeweile auf!
In unserer Probe Ende Februar 2016 haben wir 19 Rieslinge aufgeschraubt – dabei hat keiner  wie der andere geschmeckt! Mehr noch: selbst nach dem 10. Wein in der Probe weisst du trotz Jahrgangsangabe und faktischem Restzuckergehalt nicht was dich sensorisch erwartet. Und noch mehr mehr noch: Weine die du vor einem halben Jahr erlebt & verkostest hast, präsentieren sich nun komplett anders. Oder anders: die Mosel lebt, sie ist voller Dynamik!

19-fach keine Langeweile
19-fach KEINE Langeweile!

 

Verkostet haben wir u.a.
# den Riesling ‘Devon’ aus 2014-2013-2012 und 2011. Aktuell ist der 2013er sicher der absolute Genussgarant – 2014 hingegen noch viel zu jung!

# die feinherben Riesling-Kabinett aus 2014-2011-2009-2008. Unfassbar, in welcher perfekten Balance sich der 2009er aktuell befindet. Hier stimmen Säure, Gerbstoffe & Mineralität mit der sich reduzierenden Fruchtigkeit gnadenlos zusammen!

2009er Ürziger Würzgarten Berres
Wäre es nicht so abgedroschen, müsste man sagen ‘Ein Traum im Glas’…

 

# der Unterschied zwischen Grauschiefer (Lage Erdener Treppchen) und dem Rotschiefer (Ürziger Würzgarten) jung (2012) und alt (2007). Auch hier wieder der klare Appell im Glas ‘Leute, habt keine Angst vor gereiften Mosel-Rieslingen!’ Diese Dichte, Eleganz und Würze am Gaumen – ja, das macht Spaß in der Fastenzeit 😉

riesling berres 2007
Stoppt den Jugendwahn! Die Mosel glänzt mit Weinen jenseits der Pubertät!

 

# Extremismus pur! Die Grand-Crù Lage Ürziger Goldwingert ist gerade einmal 3000 qm groß – und jedes Jahr bringt sie neue Facetten. Inzwischen kenne ich alle Jahrgänge ab 2006 aus dieser Lage – und Markus Berres lässt ihnen immer freien Lauf. Den 2008er mit Botrytis, feinherb ausgebaut: stoffig ohne Ende! Der 2014er mit 1.5 gr Restzucker sowas von knochentrocken – aber vollen Speichelfluss erzeugend! Danke Markus, für diesen Mut!!!

ürziger goldwingert
Extreme Lage – extreme Weine – und dennoch extrem lecker!

 

Tipp: wir haben z.Z. noch ältere Jahrgänge eingelagert. Haben Sie Mut, trauen Sie sich die Mosel von jung bis alt zu probieren!