Prowein 2018, Teil 1: Rekord oder nicht?

Sie gilt inzwischen als DIE Pflichtveranstaltung für alle Jene, die im Weinsektor tätig sind. Vor knapp 25 als ‘kleine’ Weinmesse für das Ballungsgebiet NRW und die angrenzenden BeNeLux Länder gestartet, sprintet diese inzwischen international positionierte Fachmesse alljährlich von Rekord-zu-Superlativen. Mit 6870 Ausstellern und über 60.000 Besuchern (hier geht’s zur Pressemeldung der Messe Düsseldorf) wurde natürlich wieder ein neuer Rekord ausgerufen. Ich persönlich hatte während der drei Messetage noch auf die Schlagzeile ‘die widrigen Winterverhältnisse verhindern neuen Besucherrekord’ gewettet, aber da lag ich wohl komplett falsch 😉

Die Prowein 2018 – neuer Besucherrekord verkündet!

Möglicherweise täuscht aber auch meine (aber nicht nur meine) Wahrnehmung, dass es insgesamt ‘ruhiger’ zulief. Die Laufwege mögen durch intelligente Logistiklösungen verändert sein, Standplatzierungen optimiert, so dass das sonst übliche Gedränge nicht vorkam. Aus deutscher Position ist zudem zu akzeptieren, dass viele ausländische Besucher bei ihrem ‘Trip to Dusseldorf’ gar nicht den deutschen Wein im Beuteschema haben, sondern sich ausschliesslich in den Hallen Spanien, Frankreich, Italien, Übersee etc. tummeln (zur Erinnerung: 6870 Aussteller!!!)
Ein aus deutscher Sicht ‘dann-ist-das-halt-so’ wäre m.E. jedoch fehl am Platze: auch wir deutsche Produzenten (und durch meine Beteiligung am ‘Müller Franz‘ sitze ich ja zusätzlich auf der Seite des Produzenten) müssen uns dem internationalen Publikum öffnen. Unsere Web-Seiten, unserer Preislisten, unser mailing etc., muss in der globalisierten Weinwelt zwingend auch auf Englisch gestaltet werden. (Anm. der ‘Müller Franz’ hat bereits im ersten Verkaufsjahr einen Exportanteil von über 50% – und leider auch -noch!- keine englische Übersetzung…what a shame!)

Fortsetzung folgt….

 

Prowein 2018, Teil 2: wo Licht, da auch Schatten!

Augen zu, Mund auf – und durch!

 

Zur Optimierung der Besucher-Ströme gibt es seit Jahren diverse Verkostungszonen. In der großen ‚Meininger‘ Zone kann man nicht weniger als die komplette Weinwelt von Ost nach West und Süd nach Nord im Schnelldurchlauf absolvieren. Hier werden Trends präsentiert, oder auch Nicht-Trends…
Für mich absolut erschreckend, was die deutschen Importeure dort zum Thema ‚Italien‘ eingereicht hatten. Würde ich als Novize erstmalig in Kontakt mit dem Weinland Italien treten, wäre ich geschockt: Italien, eines der Länder mit der größten Rebvielfalt und den unterschiedlichsten Klimazonen, reduziert auf fette, halbtrockene Rotweine? Porca miseria, e un desastro! Und Nein!, liebe Importeure, redet euch bitte nicht raus ‚das will der Kunde so‘ – der Kunde nimmt das, was ihr ihm präsentiert und als das 7. önologische Weltwunder präsentiert.
Zum Glück habe ich aber in den Hallen 15 und 16 noch (per Zufall!) ein wehrhaftes Häufchen kleiner Produzenten gefunden, die mich mit ihren authentischen Weinen zärtlich in den Arm genommen haben! Das sind zwar Weine, die durch die Bank +/- 10 Euro im Endverbraucherpreis kosten, aber sie waren definitiv ihren Preis wert! Wir in Deutschland zücken doch auch für eine (gute) Riesling Spätlese 12 Euro, für ein Großes Gewächs 17-20 Euro … und nur weil der Italiener oder Spanier nicht über derartige ‚Prädikatsbezeichnungen‘ verfügt, soll er mit 5 Euro Bitteschön zufrieden sein? Nein, sorry, das funktioniert so nicht.

Neue oder alte Welt Weine?

Als ungemein spannend empfinde ich immer wieder, Weine aus mir unbekannten Anbauländern zu probieren. Vor Jahren hatte mich mal ein Gewürztraminer aus Brasilien komplett aus der Bahn geworfen: elegant, perfekt balanciert, ein Traum. Seit ungefähr 10 Jahren probiere ich auch immer wieder neugierig Weine aus ‘neuen’ Ländern im Osten. Aber Moment: ist bspw. Georgien ein ‘neues’ oder ‘altes’ Land auf der Weinkarte? Gefühlt im Konsum natürlich ‘neu’, aber wenn man bedenkt, dass die Wiege des Weinbaus vor ca. 10000 Jahren im Kaukasus lag, dann müssen wir eher von einer alten Weinbauregion sprechen. Waren die Weine früher eher noch sehr fehlerbehaftet, hatte ich in diesem Jahr Rotweine aus Moldawien und Georgien im Glas, die mit zu den besten Weinen in der kompletten Tasting-Zone zählten! Ungemein geschliffen, trotzdem authentisch, perfekter Holzeinsatz, dicht gewoben, eine perfekte Balance zwischen Tradition und Moderne. Und Israel, Israel hat mich auch richtig überrascht! Fazit: die Weinwelt stellt sich immer breiter auf, (noch) unbekannte Regionen könnten bald das Salz in der Suppe sein!

Fortsetzung folgt…

Prowein 2018, Teil 3: in glas we trust!

Wie ein Hüttchen-Spiel: der gleiche Wein aus verschiedenen Gläsern!

 

Ich bin mir nicht ganz sicher – aber Thommy und ich feiern nächstes oder übernächstes Jahr unser 10-Jähriges. Es war auf auf der ANUGA in Köln, vor gefühlten Ur-Zeiten, als das Bundeslandwirtschaftsminesterium in einer Ecke einige Weine von jungen Talenten präsentierte. Thommy war dort auch vertreten, also nicht physisch, sondern nur die Flaschen (wovon er selber gar Nichts wusste). Sein ‘Gelber Muskateller trocken’ stand dort in der Vitrine, damals noch das blau-weisse Etikett im ‘Hilfinger’-Design.
Ich weiss noch, dass ich mit einigen neugierigen Jungs aus Schweden ein grandioses Gespräch über deutschen Wein hatte, mich plötzlich gar in der Rolle als leidenschaftlicher  Botschafter für Wein aus meinem Heimatland wiederfand. Konnte ich – oder die Schweden- damals ahnen, welche Karriere Thommy hinlegen würde? Thommy, exportierst du eigentlich nach Schweden? Was ist, wenn diese symphatisch-neugierigen Jungs immer noch auf der Suche nach den ‘Hilfinger’-Flaschen sind – und gar nicht das grandiose re-Design mit den ‘Hörnern’ mitbekommen haben? Meine Güte – müssen wir uns jetzt Vorwürfe machen?!
Müssen wir uns noch etwas vorwerfen? Oh ja – das Thema ‘Glas’ wird von uns Allen (Winzer, Händler, Konsument) immer noch stiefmütterlich behandelt! Ein ‘one-for-all’ muss es sein, das Glas was Alles können soll, was gut in der Hand liegt, nicht viel Platz in Anspruch nimmt, super in die Spülmaschine passt, nie kaputt geht etc…
Thommy hatte zur Messe extra noch große Burgunder-Gläser geordert. Sieht schön aus. Macht was her. Benutzt Jemand diese zu Hause? Nein? Und warum nicht? Aus Bequemlichkeit? Aus Platzgründen? Aus Kostengründen? Ich weiss es nicht, denn Eines ist klar: am Genussfaktor kann es definitiv nicht liegen! Wir Allesamt haben uns mächtig die Augen getrieben, welche Freude, welch Eleganz, welch Opulenz der selbe Wein durch die Verwendung des ‘richtigen’ Glases vermittelt. Weisswein aus großen Burgunder-Gläsern – geht das? Und ob, probiert es aus – das Geschmackserlebnis ist gigantisch!