Der Frostwächter

Genau solch’ frostiges Wetter ist wie gemacht für unsere Primitivo di Manduria Riserva! Ein reinsortiger Primitivo aus der Kernzone DOC Manduria (Apulien), voller roter Früchte (Himbeere, Johannisbeere), extrem üppig am Gaumen und mit einer ordentlichen Ladung Barrique im Abgang. Eigentlich hat der Wein von Allem zuviel: selbst das Gewicht der leeren Flasche ist schon so hoch, dass man denkt man hätte eine Magnum-Flasche in der Hand. Dann hat dieser Wein eine Extraktsüße am Gaumen, die erst einmal satt macht. Im Abgang dann die Noten des Barrique (12 Monate), die aber perfekt mit der Frucht spielen. Also eigentlich ist dieser Wein wie ein Amarone, nur halt 1000 km südlicher als die Hügel von Verona.  Hier-wie-dort Alkoholgehalte von 15%, hier-wie-dort eine Opulenz, dass man sich erst mal setzen und die Eindrücke verarbeiten muss…
Nicht vorwerfen darf man diesem Wein, dass er eine Kopie eines Amarone sei. Nein, im Süden hat man schon immer derart konzentrierte Weine gemacht und auch machen können: im Gegensatz zum Amarone im Norden sorgen hier Sonne & Klima für eine Konzentrierung ‘by nature’.
Mit € 12,50 ist dieser Wein fair bepreist: für einen vergleichbaren Amarone sind das 2-3fache fällig. Und bitte nicht vergessen: dieser Wein ist so üppig, da trinken 4 Leute an einer Flasche und fühlen sich bestens unterhalten.

Fazit: ein üppiger, intensiver Wein, wie gemacht für die kuschelig-kalte Jahreszeit mit einem ‘leider-sehr-lecker’ Siegel!

 

2018-2008: ‘Collefrisio di Collefrisio’

Die rote Rebsorte Montepulciano gehört für mich zu einer der besten Sorten, die auf dem italienischen Stiefel zu finden ist. Voller Frucht, Kraft und Säure ergibt sie knackig-herzhafte Weine mit einem immensen Alterungspotential. Dass wir Händler und Konsumenten häufig nur belangloses Zeig vorgesetzt bekommen, liegt nicht an der Sorte selbst oder der kompletten Unfähigkeit der Winzer, sondern an ökonomischen Faktoren. In den italienischen Regionen Marken und Abruzzen haben jahrzehntelang Genossenschaften oder Grossabfüller den Ton angegeben. Die gering gezahlten Traubenpreise lies den Weinbauern gar keine andere Möglichkeit, als ‘Masse statt Klasse’ zu produzieren. Die immer noch recht überschaubare Anzahl der Selbstvermarkter und Selbstabfüller unter den Winzern in den Regionen, versuchen verzweifelt das ramponierte Image aufzubessern und der Rebsorte zu dem zu verhelfen, was sie eigentlich verdient hat: ein Star am italienischen Weinhimmel zu sein.
Das Weingut ‘Collefrisio’ aus den Abruzzen hat sich erstmalig mit dem Jahrgang 2008 getraut, einen ‘Klopfer vor dem Herrn’ raus zu hauen. Gerade mal 40hl Ertrag je Hektar (für das deutsche Flaggschiff ‘Grosses Gewächs gelten 50hl/ha!), ewig lange Maischestandzeit und eine anschliessende Reifung von 18 Monaten im Barrique lassen uns einen Wein erleben, der mit Amarone, Brunello, Barolo und Co. auf jeden Fall in einem Atemzug genannt werden muss (natürlich nur mit den Besten der genannten Appellation).

Ökonomisch erfolgreich war dieser grandiose Wein für Amadeo de Luca und Antonio Particelli leider nicht: einen solch guten Wein traut man der DOC Montepulciano d’ Abruzzo mit ihren Massenweinen einfach nicht zu. Und so sind die Beiden einige Jahre später dazu umgeschwenkt, Montepulciano ‘more sexy’ zu gestalten. Das Antrocknen der Trauben bzw. der Verschnitt mit Primitivo mag zwar dem sensorischen und ökonomischen Zeitgeist (kurzfristig) entsprechen – auf lange Sicht kann die Region aber nur mit  reinsortigen Weinen wie dem 2008er Flaggschiff punkten.

Wir haben noch einige wenige Flaschen im Verkauf: € 25,80/ 750ml